Wer zählt als Fachkraft in Hessen? § 25b HKJGB
§ 25b HKJGB (Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch)
In Hessen ist der Fachkraftbegriff seit dem 3. August 2023 deutlich weiter gefasst als zuvor. Die Reform hat die historische Mindestverordnung (MVO 2001/2008) abgelöst und die Definitionen direkt in das Hessische Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) überführt: § 25b regelt die Fachkraft-Kategorien, § 25c die Mindestpersonalausstattung. Eine HKJGB-Novellierung 2025 ist im Verfahren.
Hessen rechnet Personalbedarf kindbezogen über Fachkraftfaktoren (0,2 VZÄ je U3-Kind, 0,07 VZÄ je Ü3-Kind), addiert dann 22 Prozent Ausfallzeitenpuffer (seit 2020, vorher 15 Prozent) und bis zu 20 Prozent Leitungsfreistellung (max. 1,5 VZÄ). Während der Öffnungszeit muss dauerhaft mindestens eine Fachkraft anwesend sein.
Wer zählt als Fachkraft in Hessen?
Folgende Berufsabschlüsse gelten in Hessen als sozialpädagogische Fachkraft im Sinne der § 25b HKJGB (Hessisches Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch):
- Staatlich anerkannte Erzieher:innen, Heilpädagog:innen
- Diplom-/B.A.-Sozialpädagog:innen, Sozialarbeiter:innen
- Staatlich anerkannte Kindheitspädagog:innen
- Sonstige päd. Hochschulabschlüsse (DQR-Niveau 6 oder höher)
- Bestandsschutz (§ 25b Abs. 3): Personen, die am 12.07.2001 als Fachkraft tätig waren, bleiben Fachkraft (Bescheinigung des Trägers reicht).
Ergänzungskraft, Drittkraft und weitere Kräfte
Hessen verwendet offiziell "sonstige Personen" und "andere Beschäftigte" statt "Drittkraft" oder "Ergänzungskraft". Die wichtigste Kategorie sind seit der Reform 2023 Quereinsteiger:innen mit DQR-Niveau 4 (vorher DQR 6) - z. B. Ergotherapie, Logopädie, Motopädie, Waldorf-Pädagogik. Voraussetzung: profilergänzende Qualifikation passend zum Kita-Konzept, Eignungsprüfung durch das Jugendamt und 160 Fortbildungsstunden in pädagogischen Themen binnen 24 Monaten.
Mindestfachkraftquote in Hessen
Hessen ist das einzige Bundesland mit einer expliziten Quereinsteiger-Höchstquote: maximal 25 Prozent der pädagogischen Mindestpersonalausstattung dürfen über DQR-4-Quereinsteiger:innen besetzt werden (§ 25b Abs. 2 Nr. 6 HKJGB). Die Quote wurde mit der Reform 2023 von 15 auf 25 Prozent erhöht. Der Personal-Mindestbedarf nach § 25c HKJGB enthält zusätzlich 22 Prozent Ausfallzeiten und 20 Prozent Leitungsfreistellung.
Quereinstieg, PiA und Anerkennung ausländischer Abschlüsse
Quereinstieg in Hessen ist seit der HKJGB-Reform 2023 deutlich vereinfacht: DQR-4-Berufsabschlüsse mit profilergänzender Qualifikation (Ergotherapie, Logopädie, Motopädie, Waldorf-Pädagogik etc.) gelten als "sonstige Personen" und können bis zu 25 Prozent der Mindestpersonalausstattung abdecken. Voraussetzung: Eignungsprüfung durch das Jugendamt und 160 Fortbildungsstunden in pädagogischen Themen binnen 24 Monaten. PiVA (Praxisintegrierte vergütete Ausbildung): Studierende und Anerkennungspraktikant:innen können nach § 25b Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 HKJGB als Fachkraft "zur Mitarbeit" eingesetzt und voll im Mindestpersonal angerechnet werden. Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Hessisches Ministerium für Soziales und Integration (für staatlich anerkannte Erzieher:innen); Hessische Lehrkräfteakademie für päd. Studienabschlüsse.
Tipp für Kita-Leitungen in Hessen
Die 25-Prozent-Quote ist die Obergrenze, nicht die Zielmarke. Wenn dein Träger Quereinsteiger:innen unter dieser Quote führt, bist du rechtlich auf der sicheren Seite. Bei Annäherung an 25 Prozent prüfe, ob bestehende Quereinsteiger:innen über die berufsbegleitende Erzieherausbildung den Fachkraftstatus erlangen können - dann frei werdende Slots können neu besetzt werden.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Wer als Fachkraft zählt, regelt jedes Land eigenständig - die Unterschiede sind teils erheblich. In unserer Komplettübersicht aller 16 Bundesländer stehen Fachkraft-Definition, Quereinstiegs-Wege und VO-Quellen pro Land nebeneinander.
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