Haus der kleinen Forscher: Fortbildungen, Zertifizierung, Zugang
Es gibt wenige Bildungsinitiativen, die so tief im deutschen Kita-Alltag verankert sind wie das, was viele Leitungen einfach „Haus der kleinen Forscher” nennen. Über 38.900 Einrichtungen nehmen am Programm teil, rund 6.500 sind zertifiziert. Im Jahr 2025 haben etwa 95.000 Fachkräfte an einer Fortbildung teilgenommen. Das sind Zahlen, die in der frühpädagogischen Fortbildungslandschaft kaum Parallelen haben.
Und gleichzeitig ist das System unübersichtlich geworden. Die Stiftung heißt nicht mehr „Haus der kleinen Forscher”, sondern seit Mai 2023 Stiftung Kinder forschen. Die Fortbildungen werden teils zentral, teils über rund 175 Netzwerkpartner organisiert. Es gibt Präsenz- und Online-Formate, kostenlose und kostenpflichtige Angebote, MINT- und BNE-Themen. Für die Zertifizierung gelten je nach Einrichtungsgröße unterschiedliche Stundenvorgaben.
Dieser Artikel führt durch das Angebot. Er erklärt den Hintergrund der Umbenennung, zeigt Formate und Themen, benennt Kosten, geht den Zertifizierungsprozess Schritt für Schritt durch und ordnet die wissenschaftliche Wirkungsevidenz ein. Am Ende steht eine Einschätzung dazu, für welche Kitas sich der Einstieg lohnt und wo Grenzen liegen.
Die Stiftung im Überblick
Vom „Haus der kleinen Forscher” zur „Stiftung Kinder forschen”
Die Initiative „Haus der kleinen Forscher” startete 2006 mit dem Ziel, alltägliche Begegnungen von Kindern mit Naturwissenschaften und Technik zu fördern. Die formelle Stiftungsgründung erfolgte 2008 mit Sitz in Berlin. Seit Gründung wird die Stiftung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert - zunächst projektbezogen, seit 2021 institutionell mit 11,9 Millionen Euro jährlich. Das ist die erste Bildungsinitiative, die in eine dauerhafte staatliche Förderung überführt wurde. Seit 2025 liegt die Zuständigkeit beim Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Am 10. Mai 2023 wurde die Stiftung offiziell in Stiftung Kinder forschen umbenannt. Die Entscheidung war intern bereits 2022 gefallen und hatte drei Gründe:
- Gewachsene Reichweite: Die Stiftung ist längst über Kitas hinaus in Horten und Grundschulen aktiv. Der Begriff „Haus” passte nicht mehr zu einer Initiative, die in unterschiedlichen institutionellen Kontexten arbeitet.
- Erweitertes Themenspektrum: Mit BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) ist ein zweiter Schwerpunkt neben MINT auf Augenhöhe hinzugekommen.
- Kindzentrierte Botschaft: Der neue Name stellt das Kind in den Mittelpunkt - „Kinder forschen” als Handlung, nicht als Ort.
Die Grundüberzeugung blieb: „Alle Kinder sollen Freude am Entdecken und Forschen entwickeln - unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder elterlichem Einkommen.”
Für SEO-Zwecke und interne Dokumentation bleibt der alte Name relevant. Viele Eltern, Trägerdokumente und Plaketten tragen weiterhin „Haus der kleinen Forscher”. Die Stiftung selbst leitet alte URLs systematisch weiter und macht deutlich: Es handelt sich um dieselbe Organisation.
Trägerstruktur und Partner
Die Stiftung finanziert sich aus einer Mischung aus staatlicher Förderung (BMBF / BMBFSFJ) und privaten Stiftungspartnern. Aktuell (Stand April 2026) sind das:
- Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (Gründungspartner)
- Siemens Stiftung (laufender Partner)
- Dietmar Hopp Stiftung (laufender Partner)
- Dieter Schwarz Stiftung (laufender Partner)
Die Deutsche Telekom Stiftung war von 2013 bis Ende 2020 Partner und verließ das Bündnis strategisch (Neuausrichtung auf ältere Zielgruppen und KI-Bildung). Kooperation besteht weiterhin im Nationalen MINT Forum.
Seit 1. März 2024 ist Dr. Tobias Ernst Vorstandsvorsitzender (Nachfolger von Michael Fritz nach zehn Jahren). Die Stiftung beschäftigt rund 215 Mitarbeitende und arbeitet mit etwa 400 qualifizierten Trainerinnen und Trainern.
Zahlen und Reichweite
Stand Ende 2025:
- Rund 95.000 Fortbildungsteilnehmende
- 38.900 beteiligte Kitas, Horte und Grundschulen
- Über 6.500 zertifizierte Einrichtungen
- Rund 3,4 Millionen Kinder profitieren bundesweit
- 175-200 lokale Netzwerkpartner
- Über 50 Online-Fortbildungen auf dem Campus
Was bietet die Stiftung an Fortbildungen?
Die Fortbildungen kombinieren fachliche MINT-Inhalte mit pädagogischen Ansätzen. Wer sich zum ersten Mal mit dem Angebot auseinandersetzt, staunt über die Breite: neun thematische Bereiche, sechs Formate, dezentrale Organisation über Netzwerkpartner. Die folgende Ordnung hilft beim Überblick.
Neun thematische Bereiche
- Mathematik
- Informatik
- Naturwissenschaften
- Technik
- MINT-übergreifend
- Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
- Pädagogik (Grundansatz)
- Vielfalt und Teilhabe
- Kommunikationstraining
Naturwissenschaftliche Themen im Detail
Ein Blick in den aktuellen Fortbildungskatalog zeigt, wie konkret die Themen zugeschnitten sind - immer mit Experimentiervorschlägen, didaktischem Rahmen und Material-Sets:
| Thema | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Forschen mit Wasser | Wasserkreislauf, Aggregatzustände, Löslichkeit - sensorisch erfahrbar |
| Forschen mit Luft | Wind, Lufteigenschaften, Forschungskreis-Methode |
| Magnetismus | Unsichtbare Kräfte, einfache Experimente |
| Forschen mit Sprudelgas | Einführung Chemie durch CO₂-Phänomene |
| Forschen zu Strom und Energie | Stromkreise, erneuerbare Energiequellen |
| Licht, Farben, Sehen | Spiegel, Schatten, Farbphänomene in der Natur |
| Forschen rund um den Körper | Körperbau und -funktionen, selbstgebaute Modelle |
| Klänge und Geräusche | Alltagsnahe Klangerfahrungen |
| Wimmelnde Welten | Insekten und Kleintiere entdecken |
Mathematik und Informatik
Unter dem Mathematikkreis als didaktischem Werkzeug fasst die Stiftung Themen wie Messen und Wiegen, Mengen und Formen, Wahrscheinlichkeit zusammen. Ein neues digitales Mathe-Bildungsangebot 2026 - gestartet im April 2026 - behandelt Längen, Gewichte und Wahrscheinlichkeit.
Im Informatikbereich sind drei Formate hervorzuheben:
- „Informatik entdecken - mit und ohne Computer”: Algorithmisches Denken und Robotik-Grundlagen mit Alltagsmaterialien. Kinder lernen, wie Computer „denken”, ohne notwendig einen Rechner zu nutzen.
- „Digitale Welten erkunden: Der Informatikkreis”: Online-Kurs, in dem Kinder ihre digitale Umwelt aktiv gestalten.
- „Cookies und Tracking - deine Daten im Netz”: Einstieg in Datenschutz und Internetsicherheit. Für Horte und Vorschulgruppen relevant.
BNE - Bildung für nachhaltige Entwicklung
Seit 2019 ist BNE ein eigener Schwerpunkt. Bis Ende 2025 wurden durch BMBF-geförderte BNE-Fortbildungen rund 17.500 Pädagoginnen und Kita-Leitungen erreicht. Aktuelle Formate (Präsenz und Team):
- „Türen auf! Unser Weg zu BNE”: Kita-Team öffnet sich gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit.
- „Schneehase ohne Schnee? Klimawandel begreifen und handeln”: Kindgerechte Klimakommunikation, Familienbeteiligung.
- „Tür auf! Mein Einstieg in BNE”: Individuelle Einstiegsfortbildung.
- „Konsum umdenken - entdecken, spielen, selber machen”: Konsum und Lebensweise nachhaltiger gestalten.
Online ergänzt durch Klimaanpassung, Bodenökologie, Konsummuster, Werbetextkompetenz und einen philosophischen Zugang zu Technik.
Pädagogik als Grundlage
Die pädagogischen Fortbildungen vermitteln den Ansatz, der allen anderen Formaten zugrunde liegt: Forschungskreis, Dialogisches Lernen, Gesprächsführung mit Kindern, Ko-Konstruktion, Lernbegleitung, Philosophieren mit Kindern. Wer mit MINT-Themen beginnt, ohne die Pädagogik zu vertiefen, verpasst die Hälfte.
Sechs Fortbildungsformate
1. Präsenzfortbildungen vor Ort: Ganz- oder Halbtagsformate (typisch 6-7 Stunden), praxisorientiert, mit Materialien zum Mitnehmen. Organisiert über lokale Netzwerkpartner.
2. Inhouse-Fortbildungen: Für das gesamte Kita-Team (bis 16 Personen), in der eigenen Einrichtung. Kosten etwa 690 Euro inklusive Material.
3. Online-Kurse auf dem Campus: Zeitlich vollkommen flexibel, im eigenen Tempo. Alle kostenlos, mit Reflexionsfragen und Abschluss-Badges.
4. Webinare: 1-1,5 Stunden, feste Termine, interaktiv mit Chatfunktion, Teilnahmebescheinigung. Kostenlos.
5. Online-Workshops (mehrwöchig): Typisch vier Wochen, 8-12 Stunden Gesamtaufwand, mit Expertinnen-Begleitung. Beispiel: „BNE gemeinsam gestalten: Dein Praxisprojekt”.
6. Fachtage: Periodische Großveranstaltungen mit Vorträgen und Workshops, Vernetzungsmöglichkeit.
Kosten und Zugang
Das Kostenbild ist einfach, wenn man die Logik verstanden hat: Alles Online ist kostenlos, Präsenz kostet wenig, Inhouse kostet moderat, Zertifizierung ist umsonst. Träger übernehmen die Präsenzkosten häufig, weil die Beträge gering sind.
Online - vollständig kostenlos
Alle Online-Kurse auf dem Campus (campus.stiftung-kinder-forschen.de) sind ohne Gebühren zugänglich. Auch Webinare und Online-Workshops kosten nichts. Eine einmalige Registrierung auf dem Campus genügt. Die Teilnahmebescheinigungen sind als Fortbildungsnachweis verwendbar - auch für die Zertifizierung.
Präsenz - regional unterschiedlich
Die Preise für Präsenzfortbildungen variieren stark je nach Netzwerkpartner:
| Netzwerkpartner (Beispiele) | Präsenz pro Person |
|---|---|
| Netzwerk Unionhilfswerk Brandenburg | ca. 50 Euro (inkl. Material + Mittagessen) |
| MINT Thüringen | ca. 35 Euro (6-7 Std.) |
| IHK Berlin | je nach Thema variierend |
| Inhouse für ganzes Team (bis 16 Pers.) | ca. 690 Euro gesamt |
Viele Träger übernehmen diese Kosten für ihre Kitas - eine ausdrückliche Anfrage lohnt sich. Wer überlegt, wie das Fortbildungsbudget nach den 30 Fortbildungsstunden strategisch eingesetzt werden kann, findet dort weitere Hinweise.
Wie finden Kitas einen lokalen Netzwerkpartner?
- Auf www.stiftung-kinder-forschen.de unter „Dein Kontakt vor Ort” die eigene Region eingeben
- Den lokalen Partner kontaktieren (Jugendamt, IHK, Bildungsbüro, Museum, Verein)
- Fortbildungsprogramm des Netzwerkpartners anfordern - häufig gibt es regionale Jahresprogramme
Netzwerkpartner sind vielfältig: Kita-Träger, Jugendämter, IHKs, Forschungseinrichtungen, Vereine, Unternehmen, Museen. Sie agieren finanziell eigenständig und bieten die Fortbildungen der Stiftung mit regionalem Zuschnitt.
Buchung
- Online-Angebote: direkt über campus.stiftung-kinder-forschen.de (kostenlose Registrierung)
- Präsenzangebote: über den lokalen Netzwerkpartner oder über die zentrale Fortbildungssuche der Stiftung
Die Zertifizierung „Forscher-Kita”
Die Zertifizierung ist das sichtbarste Ergebnis der Beteiligung am Programm: eine Plakette mit der Aufschrift „Wir sind ein Haus, in dem Kinder forschen” für die Hauswand, dazu eine Urkunde im Holzrahmen. Rund 6.500 Einrichtungen in Deutschland tragen diese Plakette - und die Zertifizierung ist vollständig kostenlos.
Wichtig zur Einordnung: Die Zertifizierung bezieht sich ausschließlich auf MINT- und BNE-Aktivitäten. Sie ist kein Qualitätsmerkmal für die gesamte pädagogische Arbeit einer Einrichtung. Wer das mit anderen Qualitätsverfahren verwechselt, wird enttäuscht. Andererseits: Die Plakette ist in vielen Städten mittlerweile Teil der Trägerkommunikation mit Eltern, und sie ist im Aufnahmeprozess oft ein positives Signal.
Die drei Voraussetzungen
Die Stiftung prüft drei Kriterien:
1. Forschen im Alltag
MINT-Bildungsinhalte sind fester Bestandteil im Einrichtungsalltag - nicht als Wochenprojekt, sondern als durchgängige pädagogische Haltung. Das bedeutet: Materialien sind zugänglich, Forschungsimpulse werden alltagsnah aufgegriffen, Kinder haben Zeit und Raum für eigenständige Experimente.
2. Dokumentation
Projekte, Beobachtungen und Versuche werden dokumentiert. Die Form ist offen: Portfolios, Projektdokumentationen, Fotos mit Kinderkommentaren, Plakate, Lerngeschichten. Wer schon mit Bildungsdokumentation arbeitet, hat den ersten Schritt bereits getan.
3. Fortbildungsbeteiligung
Die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte nehmen regelmäßig an MINT- oder BNE-Fortbildungen teil. Die Stundenvorgabe ist nach Einrichtungsgröße gestaffelt:
- Kitas mit mehr als 50 Kindern: 24 Fortbildungsstunden (Summe aller Fachkräfte) in den letzten 24 Monaten
- Kitas mit bis zu 50 Kindern: 12 Fortbildungsstunden
Wichtig: Es zählen auch Fortbildungen anderer Anbieter, solange der thematische Schwerpunkt auf MINT oder BNE liegt. Anerkannt sind Präsenzfortbildungen, Online-Kurse, Webinare und Fachtage mit Bildungscharakter.
Der Ablauf in fünf Schritten
- Voraussetzungen prüfen: Sind alle drei Kriterien erfüllt?
- Online registrieren auf zertifizierung.stiftung-kinder-forschen.de
- Online-Fragebogen ausfüllen: Aufgeteilt in Fragen an die Leitung, an pädagogische Fachkräfte und zu einem konkreten Projekt; der Bearbeitungsstand kann jederzeit gespeichert werden
- Prüfung durch Mitarbeitende der Stiftung (Dauer etwa ein Monat), Rückmeldung per E-Mail mit Erläuterungen und Praxisanregungen
- Plakette und Urkunde erhalten und anbringen
Ein einstündiges Info-Webinar („Zertifizierung - Bewerbung leicht gemacht”) erklärt den gesamten Prozess interaktiv und beantwortet Fragen vor der Bewerbung. Termine werden regelmäßig angeboten.
Gültigkeit und Folgezertifizierung
Die Zertifizierung ist zwei Jahre gültig. Eine Folgezertifizierung kann bereits 1,5 Jahre nach der erfolgreichen Erstzertifizierung begonnen werden, mit erneutem Online-Fragebogen. Diese Taktung bedeutet: Wer zertifiziert bleiben will, muss dauerhaft Fortbildungsaktivitäten nachweisen. Für Kitas mit Personalmangel ist das eine reale Herausforderung - planen Sie die Fortbildungstage entsprechend früh.
Didaktischer Ansatz: Ko-Konstruktion und Forschungskreis
Die pädagogische Grundlage aller Fortbildungen ist das Konzept der Ko-Konstruktion: Lernen als sozialer Prozess des gemeinsamen Entdeckens und Kommunizierens. Kinder bauen im Aushandeln von Bedeutungen - mit anderen Kindern und mit Erwachsenen - individuelles Wissen auf. Die Fachkraft ist nicht Lehrende, sondern Lernbegleiterin. Sie stellt Fragen, die den nächsten Entwicklungsschritt ermöglichen, statt Antworten vorwegzunehmen. Die Kurzformel der Stiftung: „Hinterfragen und besprechen statt erklären und belehren.”
Der Forschungskreis
Das zentrale didaktische Werkzeug ist der Forschungskreis - eine strukturierte Abfolge von Lernschritten, angelehnt an die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung:
- Phänomen wahrnehmen, Fragen aufwerfen
- Vermutungen und Hypothesen formulieren (Vorwissen aktivieren)
- Erkunden, experimentieren, probieren
- Beobachten und beschreiben
- Ergebnisse dokumentieren
- Gemeinsam reflektieren und besprechen
Parallel gibt es den Mathematikkreis und den Informatikkreis als themenspezifische Varianten mit identischer Logik.
Dialogisches Lernen
Das lebendige Gespräch hat in der ko-konstruktiven Lernbegleitung Schlüsselfunktion. Fortbildungen vermitteln konkret, welche Fragetypen den Lernprozess unterstützen und wie sich eine dialogische Haltung im Kita-Alltag etablieren lässt - auch unter Zeitdruck.
Kostenlose Materialien
Bei der ersten Präsenzfortbildung erhalten Teilnehmende:
- Forschungskreis-Materialien (didaktische Karten)
- Ausführliche Broschüre zum pädagogischen Ansatz
- Broschüre „Der Weg zur Zertifizierung”
- Initiative-Flyer
Bei jeder weiteren Fortbildung kommen Karten-Sets zum jeweiligen Thema (für Fachkräfte und Kinder) und eine Themenbroschüre mit Hintergrundinformationen hinzu. Dauerhaft kostenlos auf dem Campus verfügbar sind alle Fortbildungsbegleitmaterialien als Download, Forschungs- und Entdeckungskarten sowie Filmbeispiele aus der Kita-Praxis.
Die Wirkungsevidenz - was ist belegt?
Die Stiftung Kinder forschen ist eine der am besten wissenschaftlich begleiteten Bildungsinitiativen im Kita-Bereich. Drei Ebenen der Evidenz lassen sich unterscheiden.
Internes Monitoring (seit 2009)
Jährliches Monitoring mit Zielgruppenbefragungen, Qualitätsprüfungen der Angebote und Beratung durch einen wissenschaftlichen Beirat (unter anderem Prof. Yvonne Anders, FU Berlin). 81 Prozent der Fortbildungsteilnehmenden berichten in internen Evaluationen von hilfreichen Impulsen für die pädagogische Arbeit.
EASI-Science (2013-2017) - unabhängige externe Studie
Das Forschungsprojekt „Early Steps into Science” ist die bis heute umfassendste unabhängige Wirkungsstudie:
Design: 300 Kinder, 480 Fachkräfte, 120 Kitas, fünf Regionen (Schleswig-Holstein/Hamburg, Berlin/Brandenburg, Hessen, NRW, Thüringen), Drei-Gruppen-Kontrolldesign, drei Jahre Laufzeit.
Ergebnisse Fachkräfte:
- Signifikant höheres naturwissenschaftliches Fachwissen
- Mehr fachdidaktische Kenntnisse
- Stärkere Motivation und Interesse an naturwissenschaftlicher Bildung
Ergebnisse Kinder:
- Mehr Lernfreude, Interesse und Selbstvertrauen in MINT bei Kindern, deren Fachkräfte fortgebildet waren
Durchführende: Dr. Mirjam Steffensky (IPN Kiel), Prof. Yvonne Anders (FU Berlin), Prof. Ilonca Hardy (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Miriam Leuchter (Universität Koblenz-Landau). Gefördert durch BMBF.
EASI-Science-L - Sprachförderung durch MINT-Fortbildungen
Die Parallelstudie untersuchte, ob MINT-Fortbildungen auch sprachliche Lerngelegenheiten verbessern. Befund: Fachkräfte mit naturwissenschaftlichen Fortbildungen gestalten sprachlich anregendere Lernsituationen. Kinder von Fachkräften mit kombinierter Fortbildung (Naturwissenschaften + Sprache) zeigten die größten Sprachfortschritte. Das ist ein wichtiger Befund für die alltagsintegrierte Sprachbildung.
Wissenschaftliche Schriftenreihe
Die Stiftung gibt die Reihe „Wissenschaftliche Untersuchungen zur Arbeit der Stiftung Kinder forschen” heraus (mindestens 13 Bände bis 2025). Sie ist online zugänglich und eine Ressource für Träger und Leitungen, die Fortbildungsinvestitionen wissenschaftlich begründen wollen.
Alternativen und Ergänzungen
Forschergeist-Wettbewerb
Kein Fortbildungsanbieter, sondern ein bundesweiter Kita-Wettbewerb der Deutschen Telekom Stiftung. Prämiert werden herausragende MINT-Kita-Projekte. Sinnvolle Ergänzung für Kitas, die bereits im Programm sind und ihre Arbeit sichtbar machen wollen: www.forschergeist-wettbewerb.de.
Nationales MINT Forum
Bundesweites Netzwerk aus MINT-Stiftungen und -initiativen, in dem sowohl die Stiftung Kinder forschen als auch die Deutsche Telekom Stiftung aktiv sind. Kein direktes Fortbildungsangebot für Kitas, aber Impulsgeber und Vernetzungsplattform.
Regionale MINT-Netzwerke
Viele Jugendämter, IHKs und kommunale Bildungsbüros bieten ergänzende MINT-Fortbildungen an - oft in Kooperation mit der Stiftung, teils eigenständig. Erste Anlaufstelle bleibt der lokale Netzwerkpartner der Stiftung.
Regionale MINT-Initiativen
Neugier ahoi! (Hamburg): regionaler MINT-Anbieter für frühkindliche Bildung (www.neugier-ahoi.de).
Kritische Einordnung und Grenzen
Bei aller Verbreitung und wissenschaftlichen Absicherung lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Grenzen des Angebots.
Strukturelle Abhängigkeit von staatlicher Förderung
Mit 11,9 Millionen Euro jährlich aus Bundesmitteln ist die Stiftung stark vom BMBFSFJ abhängig. Politische Prioritätsverschiebungen können unmittelbar auf das Fortbildungsangebot durchschlagen. Die Kontinuität seit 2021 spricht für Stabilität; eine dauerhafte politische Garantie gibt es aber nicht.
Zweitseitige Finanzierungsstruktur
Neben dem Staat sind große Stiftungen der Wirtschaft zentrale Finanzierungspartner. Diese Doppelstruktur wirft grundsätzliche Fragen nach der inhaltlichen Unabhängigkeit auf - auch wenn keine direkten Belege für inhaltliche Einflussnahme vorliegen und die wissenschaftliche Begleitung die Themensetzung bisher gut absichert.
Regionaler Flickenteppich bei Präsenzangeboten
Qualität und Verfügbarkeit von Präsenzfortbildungen variieren je nach Region stark. In ländlichen Gebieten mit wenigen Netzwerkpartnern ist das Angebot deutlich eingeschränkter als in Großstadtregionen. Für betroffene Kitas sind die Online-Formate die tragfähigere Alternative.
Ressourcenaufwand für Zertifizierung
Das Ausfüllen des Zertifizierungsfragebogens ist zeitintensiv. Für kleine Teams mit Personalmangel ist die Zwei-Jahres-Re-Zertifizierung eine reale Hürde, wenn Fortbildungstage und Vertretungsregelungen nicht mitgedacht werden.
MINT ist nicht alles
Die Zertifizierung deckt MINT und BNE ab - sie sagt nichts über sprachliche Bildung, Inklusion, Partizipation oder Schutzkonzepte aus. Wer die Plakette anbringt, sollte das in der Außenkommunikation klar einordnen, damit keine falschen Erwartungen entstehen.
Unsere Einschätzung: Für wen lohnt sich das Programm?
Nach vielen Jahren der Begleitung von Kitas, die den Weg in die MINT-Bildung einschlagen, ziehen wir drei Schlüsse.
Beobachtung eins: Der Einstieg gelingt am besten über das ganze Team
Wir sehen immer wieder Kitas, in denen einzelne Fachkräfte enthusiastisch mit MINT beginnen - und scheitern, weil die pädagogische Haltung nicht kollektiv getragen wird. Der Forschungskreis braucht Zeit, Materialzugang und Geduld der Kolleginnen. Unsere Empfehlung: zuerst eine Inhouse-Teamfortbildung buchen (die 690 Euro sind gut angelegt) oder gemeinsam an einem Online-Kurs arbeiten. Dann fallen Alltagsentscheidungen - welches Material bleibt zugänglich, wie viel Zeit gibt es für ein Experiment - aus einem geteilten Verständnis heraus.
Beobachtung zwei: Die Zertifizierung wirkt organisationsentwickelnd, nicht pädagogisch
Die Zertifizierung selbst verändert keine pädagogische Qualität. Sie verändert die Organisation: Dokumentation wird systematischer, Fortbildung wird geplant, Projektarbeit wird reflektiert. Das sind wertvolle Nebeneffekte. Wer die Zertifizierung nur als Marketing-Instrument einsetzt, verliert den Zugang zu diesem Entwicklungspotenzial. Wer den Prozess ernst nimmt, nutzt ihn als einen von mehreren Hebeln für Qualitätsentwicklung im Kita-Alltag.
Beobachtung drei: Online ist unterschätzt - und oft das bessere Format
Viele Leitungen denken bei „Fortbildung” zuerst an Präsenzveranstaltungen. Die Online-Angebote der Stiftung sind aber qualitativ auf Augenhöhe - und für Kitas mit Personalmangel realistischer einsetzbar. Wer fünf Fachkräfte einen 90-minütigen Online-Kurs zum Thema „Forschen mit Wasser” belegen lässt (alle kostenlos, zeitflexibel), hat 7,5 Fortbildungsstunden für die Zertifizierung und ein gemeinsames Vokabular für das nächste Wasser-Projekt. Diese Rechnung geht auch im engsten Schichtplan auf.
Fazit
Das, was viele noch „Haus der kleinen Forscher” nennen und heute offiziell Stiftung Kinder forschen heißt, ist eines der wenigen bundesweiten Fortbildungsangebote mit wissenschaftlich belegter Wirkung. Die Themen sind breit, die Formate vielfältig, die Online-Angebote kostenlos, die Zertifizierung umsonst. Für Kitas, die MINT und BNE systematisch entwickeln wollen, gibt es kaum einen besseren Einstieg.
Wer den Weg einschlägt, sollte ihn als Teamprozess verstehen und die Online-Formate nicht unterschätzen. Die Plakette an der Hauswand ist dann nicht das Ziel, sondern ein sichtbares Zeichen einer veränderten pädagogischen Praxis: Kinder, die alltäglich forschen dürfen, und Fachkräfte, die diese Fragehaltung teilen.
Hinweis: Die Fortbildungsangebote und Netzwerkpartner verändern sich laufend. Aktuelle Termine, Preise und regionale Partner finden Sie auf der offiziellen Stiftungswebsite stiftung-kinder-forschen.de. Dieser Artikel bildet den Stand April 2026 ab.
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