nifbe Fortbildungen: Programm, Zugang und Grenzen für Kitas
Wenn in Niedersachsen eine Kita-Leitung über systematische Teamfortbildung nachdenkt, fällt früher oder später der Name nifbe. Gesprochen „nifbe”, geschrieben immer klein - die Abkürzung steht für das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. Kaum eine andere Landesinitiative hat über zwei Jahrzehnte so viele Qualifizierungsinitiativen durch die Kita-Landschaft eines Bundeslandes getragen.
Und gleichzeitig ist das nifbe für viele Kita-Teams außerhalb Niedersachsens ein Rätsel: Wer steht dahinter, wer zahlt, und was davon können wir eigentlich nutzen? Diese Fragen sind berechtigt, weil das Angebot in seiner Logik zweigeteilt ist: Qualifizierungen sind landesfinanziert und an niedersächsische Einrichtungen gebunden - die digitalen Materialien stehen bundesweit offen.
Dieser Artikel ordnet die Landschaft. Er erklärt die Rechtsform und Finanzierung des nifbe, zeigt die Struktur aus Koordinationszentrum und fünf Regionalen Transferstellen, skizziert Fortbildungsformate und Themenschwerpunkte, benennt Kosten und Zugänglichkeit, beschreibt die Langzeitqualifizierung zur Fachberatung und grenzt das nifbe von der Stiftung Kinder forschen und vom Deutschen Jugendinstitut ab. Am Ende steht eine Einschätzung dazu, für welche Leitungen das nifbe welche Rolle spielen kann.
Das nifbe im Überblick
Was ist das nifbe eigentlich?
Der vollständige Name lautet Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V. Entscheidend ist das e.V.: Es handelt sich nicht um ein Landesinstitut, keine Stiftung öffentlichen Rechts und keine Landesbehörde, sondern um einen eingetragenen Verein. Gegründet wurde er 2007, Sitz ist Osnabrück (Jahnstraße 79).
Das nifbe versteht sich als „Bindeglied zwischen KiTa-Praxis, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung und Politik”. Die Arbeit zielt auf das Kind in seinem sozialen Kontext und auf „bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an”. Diese Dreifachrolle - Transfer, Qualifizierung, Vernetzung - ist der Schlüssel zum Verständnis des Angebots.
Die Finanzierungslogik
Das nifbe wird maßgeblich vom Land Niedersachsen gefördert, ursprünglich über das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Ergänzend kommen Projektförderungen durch Drittmittelgeber: die Karg-Stiftung für das E-Learning „BEB - Bildungsbewegungen entdecken und begleiten”, die Robert Bosch Stiftung für die „Vorlesung im Schloss”, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für den Kongress „Bewegte Kindheit”.
Diese Finanzierungsstruktur erklärt, warum die Kernangebote für niedersächsische Kitas kostenlos sind - das Land finanziert, der e.V. setzt um. Sie erklärt aber auch die geografische Begrenzung: Was mit Landesmitteln bezahlt wird, steht zuerst Einrichtungen zur Verfügung, die auf niedersächsischem Boden arbeiten.
Geschichte in zwei Phasen
Das nifbe hat zwei klar unterscheidbare Phasen durchlaufen:
Phase 1 (2007-2015): An-Institut der Universität Osnabrück
In der Gründungsphase betrieb das nifbe vier eigenständige Forschungsstellen:
- Entwicklung, Lernen und Kultur (Prof. Dr. Heidi Keller) - interkulturelle Entwicklungspsychologie
- Bewegung und Psychomotorik (Prof. Dr. Renate Zimmer) - motorische Entwicklung
- Begabungsförderung (Prof. Dr. Julius Kuhl / Prof. Dr. Claudia Solzbacher)
- Elementarpädagogik (Prof. Dr. Hilmar Hoffmann) - frühpädagogische Grundlagen
Die Forschungsdatenbank aus dieser Zeit ist archiviert und weiter zugänglich unter forschungsdatenbank.archiv.nifbe.de.
Phase 2 (ab 2016): Schlankere Struktur
Auf Beschluss der niedersächsischen Landesregierung erhielt das nifbe 2016 eine neue Struktur ohne eigene Forschungsstellen. Stattdessen kooperiert das nifbe mit dem neu geschaffenen Forschungszentrum für frühkindliche Bildung an der Universität Osnabrück. Der Fokus verschob sich stärker auf Transfer, Qualifizierung und Vernetzung in die Praxis.
Koordinationszentrum und fünf Regionale Transferstellen
Die aktuelle Struktur ist klar:
Koordinations- und Transferzentrum in Osnabrück
Das Zentrum verarbeitet wissenschaftliche Erkenntnisse und Modellkonzepte für den landesweiten Transfer, gibt Publikationen heraus, koordiniert die fünf Regionalen Transferstellen und betreibt die Online-Angebote.
Fünf Regionale Transferstellen
Jede Transferstelle deckt eine Region Niedersachsens ab:
| Transferstelle | Region |
|---|---|
| Emden | Nordwest-Niedersachsen / Ostfriesland |
| Hannover | Region Hannover und Umgebung |
| Hildesheim | Südniedersachsen |
| Lüneburg | Nord- und Nordostniedersachsen |
| Osnabrück / Nordhorn / Diepholz | West- und Mittelniedersachsen |
Jede Transferstelle wird durch einen Regionalen Beirat begleitet. Die Stellen organisieren regionale Fachvorträge, Fachtage, Netzwerktreffen, Qualitätszirkel und Runde Tische, bieten individuelle Beratung und Prozessbegleitung an und setzen die landesweiten Qualifizierungsinitiativen um. Sie kooperieren eng mit Volkshochschulen, kirchlichen Bildungswerken, kommunalen Bildungseinrichtungen und Trägern der Jugendhilfe.
Das Fortbildungsangebot im Detail
Das nifbe bündelt seine Veranstaltungen zentral auf einem Veranstaltungsportal (nifbe.javis.app). Wer das erste Mal dort ist, stößt auf eine Mischung aus landesweiten Qualifizierungsinitiativen, regionalen Präsenzveranstaltungen, Online-Formaten und Videovorlesungsreihen. Diese vier Zugangswege sind die Hauptachsen.
Landesweite Qualifizierungsinitiativen: Die drei Säulen
Das Kernformat ist bedarfs- und prozessorientiert: Inhouse-Qualifizierungen für Kita-Teams plus Werkstätten für Leitungen. Der aktuelle Schwerpunkt (seit April 2024) liegt auf den drei Säulen der Kinderrechte:
1. Schützen - Kinderschutzkonzepte implementieren und weiterentwickeln
Teams entwickeln in 28 Unterrichtsstunden schrittweise ein tragfähiges Schutzkonzept, reflektieren bestehende Risikoanalysen und konkretisieren Handlungspläne. Das Thema ist verbindlich mit den Anforderungen aus § 45 SGB VIII und § 8a SGB VIII verknüpft. Wer noch am Anfang steht, findet die Grundzüge in unserer Anleitung zum Kinderschutzkonzept.
2. Fördern - Sozio-emotionale Entwicklung, Selbstkonzept und Resilienz stärken
Die Fachkräfte erarbeiten, wie sozio-emotionale Entwicklung im Kita-Alltag beobachtet und begleitet wird. Themen sind Bindungsqualität, Selbstwirksamkeit, Frustrationstoleranz und Gruppenzugehörigkeit.
3. Beteiligen - Partizipation und Selbstbestimmung im Alltag
Die dritte Säule übersetzt Kinderrechte in konkrete Alltagsentscheidungen: Wie werden Kinder am Essen, am Schlafen, an der Raumgestaltung, am Tagesablauf beteiligt? Wer hier ansetzt, stößt fast zwangsläufig auf Adultismus als strukturelles Thema und muss eingeübte Erwachsenenroutinen überprüfen.
Format: 28 Unterrichtsstunden pro Säule als Inhouse-Qualifizierung für das gesamte Kita-Team. Ergänzend gibt es Werkstätten für Kita-Leitungen und stellvertretende Leitungen.
Regionale Präsenzveranstaltungen
Über die fünf Regionalen Transferstellen werden Fachvorträge, Fachtagungen, Netzwerktreffen, Qualitätszirkel und thematische Einzelveranstaltungen angeboten. Ein aktuelles Beispiel ist die Workshop-Reihe „Du, ich, wir - In Beziehung sein” (2026, in Präsenz und Digital). Die regionalen Angebote sind in der Regel kostenlos für niedersächsische Einrichtungen.
Online-Formate und Webinare
Das digitale Angebot hat in den letzten Jahren deutlich zugelegt:
- Digitale Vortragsreihen - zum Beispiel „Partizipation und Demokratiebildung” dienstags 16-17:30 Uhr per Zoom
- Webinare zu aktuellen Themen
- E-Learning auf oncampus.de: Der MOOC „Vielfalt leben und erleben” umfasst rund 40 Stunden und endet mit Zertifikat - vollständig kostenlos und bundesweit zugänglich
- Kuratierte kostenlose Online-Weiterbildungen - eine Liste externer Angebote auf nifbe.de inklusive Inhalten von Bertelsmann Stiftung, Wolters Kluwer, Klett Kita, Praxis Kita Academy und QiK-Online-Akademie
Videovorlesungsreihen
Zwei Reihen sind dauerhaft abrufbar:
- „Vorlesung im Schloss” (WS 2011 / SS 2012): 22 Vorträge renommierter Referentinnen und Referenten als Videostream mit PowerPoint und Skript. Gefördert von der Robert Bosch Stiftung.
- „Vorlesung im Netz” (ab WS 2014/15): Fortsetzung mit neuen Vorträgen, kostenlos in der Online-Bibliothek.
Diese beiden Reihen sind eine oft unterschätzte Ressource. Sie eignen sich für individuelles Selbststudium, für die Vorbereitung von Dienstbesprechungen und als Einstieg in anspruchsvolle Themen.
Thematische Schwerpunkte
Das inhaltliche Spektrum des nifbe ist breiter als bei fast jeder anderen frühpädagogischen Initiative. Die folgenden Themen sind dauerhaft bearbeitet:
- Kinderschutz (Schutzkonzepte, aktiver Kinderschutz)
- Partizipation und Demokratiebildung (Beschwerderechte, Kinderrechte)
- Inklusion und Diversity (vorurteilsbewusste Erziehung, Heterogenität)
- Sprachbildung und Sprachförderung (alltagsintegriert)
- Krippenpädagogik / Kinder unter drei Jahren
- Übergang Kita-Schule (Schulfähigkeit, Anschlussfähigkeit)
- Leitung und Fachberatung (Qualitätsentwicklung)
- Beobachtung und Dokumentation (Portfolios, Entwicklungsbegleitung)
- Bewegung und Psychomotorik
- MINT-Bildung
- Gender und Diversität (geschlechtersensible Pädagogik)
- Elternarbeit / Erziehungspartnerschaft
- Resilienz und Wohlbefinden
- Digitale Medienbildung
- Begabungsförderung
- Kindgerechte Ernährung und Gesundheit
Im Unterschied zu spezialisierten Initiativen deckt das nifbe damit das gesamte Spektrum frühpädagogischer Themen ab - von rechtlich verbindlichen Schutzaufgaben bis zu Fragen der pädagogischen Haltung.
Kongress „Bewegte Kindheit”
Der alle zwei Jahre stattfindende dreitägige Kongress „Bewegte Kindheit” in Osnabrück ist nach Angaben der Veranstalter „bundesweit die größte Veranstaltung zur frühkindlichen Bildung” mit rund 3.000 Teilnehmenden.
- Veranstalter: Universität Osnabrück (Leitung: Prof. Dr. Renate Zimmer) in Kooperation mit dem nifbe
- Programm: rund 180 Einzelveranstaltungen (Vorträge, Workshops, Seminare)
- Inhaltsfokus: Bewegung, Wahrnehmung, Spiel - Verbindung mit Sprache, Inklusion, Partizipation
- Finanzierung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Niedersächsisches Sozialministerium; Techniker Krankenkasse; GUV Hannover / LUK Niedersachsen; Landesunfallkasse NRW; Deutsche Sportjugend
Die Teilnahme ist kostenpflichtig und erfahrungsgemäß schnell ausgebucht. Kongressbände und Materialien: www.bewegtekindheit.de.
Kostenmodell und Zugänglichkeit
Die zentrale Frage für jede Leitung lautet: Was kostet was, und was können wir als Einrichtung nutzen? Die Antwort hängt vom Standort der Kita und vom konkreten Format ab.
Kostenlose Angebote für niedersächsische Kitas
Weil die Qualifizierungsarbeit landesfinanziert ist, sind die Kernformate für niedersächsische Einrichtungen kostenlos:
- Landesweite Qualifizierungsinitiativen (Inhouse-Formate für Teams, Werkstätten für Leitungen)
- Regionale Fachveranstaltungen der Transferstellen (Fachvorträge, Fachtage, Netzwerktreffen)
- Prozessbegleitung durch die Regionalen Transferstellen
- Qualitätszirkel und Runde Tische auf regionaler Ebene
Das ist eine erhebliche Entlastung des einzelnen Fortbildungsbudgets. Wer in Niedersachsen eine Kita leitet, kann einen beträchtlichen Teil der pädagogischen Teamqualifizierung über das nifbe und seine Transferstellen abdecken, ohne Budget einzusetzen.
Bundesweit kostenlos verfügbare Angebote
Der digitale Teil des nifbe-Angebots steht bundesweit offen:
- Online-Bibliothek mit über 100 kostenlos herunterladbaren Dokumenten (kein Login erforderlich)
- Videovorlesungen „Vorlesung im Schloss” und „Vorlesung im Netz”
- MOOC auf oncampus.de: „Vielfalt leben und erleben” (40 Stunden, mit Zertifikat)
- Podcast zu Themen der frühkindlichen Bildung
- Fachbeiträge auf nifbe.de (alphabetisch, chronologisch, nach Themen sortiert)
- E-Learning „BEB - Bildungsbewegungen entdecken und begleiten” (gefördert von der Karg-Stiftung)
- Wissenslandkarten zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen
Für Kitas außerhalb Niedersachsens ist das nifbe damit vor allem eine kostenlose Wissens- und Literaturressource mit hoher fachlicher Qualität und wissenschaftlicher Anbindung.
Kostenpflichtige Angebote
Drei Angebote sind gebührenpflichtig:
| Angebot | Kosten |
|---|---|
| Langzeitqualifizierung Kita-Fachberatung (6 Module) | 2.990 Euro inkl. Unterkunft und Verpflegung |
| Bücher der Schriftenreihe „Im Dialog” (Herder Verlag) | Buchhandelspreise |
| Kongress „Bewegte Kindheit” (Osnabrück, dreitägig) | Teilnahmegebühr |
Die Schriftenreihe „Im Dialog” ist im Buchhandel und im nifbe-Online-Shop (shop.nifbe.de) erhältlich.
Wichtig zu wissen: Was Kitas außerhalb Niedersachsens nicht können
- Landesweite Qualifizierungsinitiativen nicht in Anspruch nehmen - diese sind aus Landesmitteln finanziert und auf niedersächsische Einrichtungen ausgerichtet
- Keine Prozessbegleitung durch Regionale Transferstellen erhalten
- Keine regionale Beratung für Träger oder Leitungen außerhalb Niedersachsens
Für bundesweite Kitas lohnt der Blick auf das eigene Landesinstitut oder die regionalen Träger-Fortbildungsträger: das IFP in Bayern, das SFBB in Berlin, das LVR-Landesjugendamt bzw. das LWL-Landesjugendamt in Nordrhein-Westfalen, und so weiter.
Die Langzeitqualifizierung zur Kita-Fachberatung
Für Kita-Fachberaterinnen und -Fachberater ist die nifbe-Qualifizierung seit Jahren ein Referenzangebot in Niedersachsen. Seit 2020 bietet das nifbe eine strukturierte Weiterbildung, die dem „Niedersächsischen Curriculum zur Qualifizierung von Fachberaterinnen und Fachberatern für Kindertageseinrichtungen” des Kultusministeriums entspricht.
Struktur und Ablauf
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Umfang | 6 Module à 20 Unterrichtsstunden = 120 UE gesamt |
| Format | 2,5-Tage-Einheiten (Donnerstag 10 Uhr - Samstag 14 Uhr) |
| Ergänzung | Transferaufgaben (ca. 20 Stunden Eigenarbeit) |
| Abschluss | Mitgestaltung einer öffentlichen Online-Fachtagung |
| Kosten | 2.990 Euro inkl. Unterkunft und Verpflegung aller 6 Module |
Die sechs Module (7. Durchgang 2026/2027)
| Modul | Thema | Termin | Ort |
|---|---|---|---|
| I | Rolle und Aufgaben der Fachberatung | 24.-26. September 2026 | Haus Ohrbeck, Georgsmarienhütte |
| II | Professionelle Haltung | 12.-14. November 2026 | Haus Ohrbeck, Georgsmarienhütte |
| III | Bildungsauftrag in der Praxis | 21.-23. Januar 2027 | Gustav-Stresemann-Institut, Bad Bevensen |
| IV | Pädagogische Praxisberatung | 11.-13. März 2027 | Gustav-Stresemann-Institut, Bad Bevensen |
| V | Qualitätsentwicklung | 22.-24. April 2027 | Haus Ohrbeck, Georgsmarienhütte |
| VI | Abschluss / Fachtagung | 3.-5. Juni 2027 | Hanns-Lilje-Haus, Hannover |
Parallel läuft regelmäßig ein zweiter Durchgang (aktuell der 6. Durchgang 2025/2026) - die Nachfrage ist konstant.
Voraussetzungen und Zielgruppe
Voraussetzungen:
- Pädagogischer Hochschulabschluss und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
- Ausnahme für staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher mit langjähriger Leitungs- oder Beratungserfahrung
Zielgruppe: niedersächsische Fachberaterinnen und Fachberater in Kitas, insbesondere Neueinsteiger in die Fachberatungsrolle.
Zertifikat: Nach erfolgreicher Teilnahme (mindestens 90 Prozent Anwesenheit, abgeschlossene Transferaufgaben, Beteiligung an der Fachtagung) wird ein Zertifikat nach dem niedersächsischen Curriculum ausgestellt.
Bewerbungsschluss 7. Durchgang: 8. Mai 2026. Kontakt: Peter Keßel, peter.kessel@nifbe.de, 0541-5805457-3.
Ergänzende Qualifizierungen
Zusätzlich zum Kernangebot laufen thematische Spezialisierungen, etwa die „Digitale Medienbildung für Fachberatung” (2025/2026). Diese ergänzen das Grundangebot für Fachberaterinnen und Fachberater, die sich in spezifische Themenfelder vertiefen wollen.
Berufsbegleitendes Bachelor-Studium an der Hochschule Osnabrück
In enger Verbindung zum nifbe, aber nicht vom Verein selbst getragen, bietet die Hochschule Osnabrück seit WS 2008/2009 ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium Elementarpädagogik (B.A.) an. Zielgruppe sind Erzieherinnen und Erzieher mit Fachschulabschluss und (Fach-)Hochschulreife. Dauer: 6 Semester, berufsbegleitend mit Präsenztagen. Bei einer Fachschulausbildung werden nach Einstufungsprüfung zwei Semester anerkannt. Das nifbe stellt dafür Wissenslandkarten und Fachbeiträge zur Verfügung.
Publikationen und Open-Access-Materialien
Die Online-Bibliothek des nifbe ist einer der Gründe, warum das Institut auch außerhalb Niedersachsens fachlich präsent ist. Wer dort einmal systematisch sucht, stößt auf eine ungewöhnlich breite Sammlung an frei zugänglichen Texten.
Die Bibliothek in Zahlen
- Über 100 kostenlos herunterladbare Dokumente
- 40 nifbe-Themenhefte zu zentralen Themen der frühkindlichen Bildung
- 20 nifbe-Beiträge zur Professionalisierung (wissenschaftlich fundierte A4-Broschüren für die Multiplikatorenebene)
- 6 nifbe-Onlinetexte (kürzere digitale Fachbeiträge)
- nifbe-Materialien (Cartoons, Karten, Arbeitshilfen)
- nifbe-Expertisen (Gutachten und Forschungsberichte)
- Audiovisuelle Bibliothek mit Vorlesungsreihen
Themenhefte - Beispiele
Die 40 Themenhefte decken fast das gesamte frühpädagogische Spektrum ab. Beispiele:
- Sprachbildung und Sprachförderung
- Inklusion in elementarpädagogischen Einrichtungen
- Partizipation und Beschwerdeverfahren
- Krippenpädagogik / Kinder unter drei Jahren
- Kinderschutz
- Übergänge (Krippe-Kita, Kita-Schule)
- Beobachtung und Dokumentation
- Digitale Medienbildung
Für Leitungen, die Dienstbesprechungen thematisch vorbereiten, sind diese Hefte ein praxistaugliches Arbeitsmaterial - fachlich solide, praxistauglich, kostenlos.
Beiträge zur Professionalisierung
Diese Reihe richtet sich explizit an die Multiplikatorenebene - an Fachberaterinnen, Aus- und Weiterbildnerinnen, Hochschulen, Kita-Träger, Jugendhilfe, Kita-Administration und Politik. Sie bieten wissenschaftlich fundierte Grundlageninformationen in prägnanter, praxisorientierter Form. Beispiele aus der Reihe: „MINT in der Ausbildung” (Nr. 6), „Vernetzung von KiTas” (Nr. 10).
Schriftenreihe „Im Dialog” (Herder Verlag)
Ergänzend zur kostenlosen Online-Bibliothek betreibt das nifbe mit dem Herder Verlag eine wissenschaftlich-praxisorientierte Buchreihe „Im Dialog”. Die Bücher erscheinen im regulären Buchhandel und im nifbe-Online-Shop (shop.nifbe.de, 83 Produkte insgesamt). Ein Beispiel: „Auf dem Weg zum Familienzentrum” (Heike Engelhardt, 2015).
Zwischen 2010 und 2020 hat das nifbe zahlreiche Bücher in dieser Reihe veröffentlicht.
Navigation der Fachbeiträge
Die Fachbeiträge auf nifbe.de sind über mehrere Gliederungssysteme zugänglich: alphabetisch (A-Z), chronologisch, nach Themenschwerpunkten, nach Fachkategorien, nach Autorinnen und Autoren, über Glossar. Thematische Kategorien reichen von Sprachbildung über Übergang, Qualität, Elternarbeit, Medienkompetenz, Beziehung, Professionalisierung, Vielfalt, Inklusion, Krippe, Dokumentation, Gesundheit, Weiterbildung, Gender bis Ausbildung, Beobachtung, Kinder unter drei, Bindung, Bewegung und Partizipation.
Wer die Bibliothek systematisch durchsuchen will, findet am meisten über die thematische Sortierung und die Volltextsuche auf der Startseite.
Vergleich mit anderen Initiativen
Für Kita-Leitungen ist die praktische Frage oft: „Wie steht das nifbe im Verhältnis zu anderen bekannten Initiativen?” Zwei Vergleiche sind besonders aufschlussreich.
nifbe vs. Stiftung Kinder forschen (ehemals Haus der kleinen Forscher)
| Merkmal | nifbe | Stiftung Kinder forschen |
|---|---|---|
| Rechtsform | Eingetragener Verein (e.V.) | Stiftung (privatrechtlich) |
| Gründung | 2007 | 2006 (umbenannt 2023) |
| Finanzierung | Land Niedersachsen | BMBF, Helmholtz-Gemeinschaft, Siemens Stiftung, Dietmar Hopp Stiftung u.a. |
| Geografische Ausrichtung | Schwerpunkt Niedersachsen (Materialien bundesweit) | Bundesweit (über 38.900 Einrichtungen) |
| Thematischer Fokus | Breit: alle Themen frühkindlicher Bildung | Schmal: MINT und BNE |
| Qualifizierungsformat | Inhouse-Qualifizierungen, Werkstätten, Fachberatungs-Qualifizierung, Kongress | Lokale Netzwerke, Trainer-Ausbildungen, Online-Campus |
| Qualitätsprädikat | Nein | Ja („Haus, in dem Kinder forschen”-Plakette) |
| Netzwerkstruktur | 5 regionale Transferstellen in Niedersachsen | Über 175-200 regionale Netzwerke bundesweit |
Kernunterschied: Das nifbe ist ein Landesinstitut mit breitem thematischen Auftrag und starker Wissenschaftsanbindung in Niedersachsen. Die Stiftung Kinder forschen ist eine bundesweite Initiative mit engem MINT-Fokus und einem Netzwerk- und Zertifizierungsmodell.
In der Praxis nutzen viele niedersächsische Kitas beide Programme parallel: das nifbe für die pädagogische Breite (Inklusion, Partizipation, Schutzkonzepte, Sprachbildung), die Stiftung Kinder forschen für die MINT-Vertiefung mit Zertifikat.
nifbe vs. Deutsches Jugendinstitut (DJI)
| Merkmal | nifbe | DJI |
|---|---|---|
| Träger | e.V., Landesfinanzierung Niedersachsen | Bundesanstalt, Bundesfinanzierung |
| Standort | Osnabrück + 5 regionale Stellen | München (Hauptsitz) |
| Geografischer Auftrag | Niedersachsen (Materialien bundesweit) | Bundesweit |
| Primärer Auftrag | Transfer Forschung-Praxis + Qualifizierung | Grundlagenforschung Kinder/Jugend, Politikberatung |
| Qualifizierungsangebot | Ja, umfangreich (Kernaufgabe) | Nein, primär Forschung |
| WiFF (Weiterbildungsinitiative) | Nicht direkt zugehörig | WiFF am DJI: bundesweiter Rahmen für frühpädagogische Qualifizierung |
| Fachkräftebarometer | Nicht erstellt | Ja (mit TU Dortmund) |
| Einrichtungsbezug | Stark praxisnah und einrichtungsbegleitend | Primär wissenschaftlich-analytisch |
Kernunterschied: Das DJI produziert bundesweite Forschung und Daten (Kinder- und Jugendhilfereport, Fachkräftebarometer, Ländermonitor). Das nifbe überträgt Forschungswissen in die niedersächsische Kita-Praxis und qualifiziert Fachkräfte direkt.
Kooperationen
Das nifbe kooperiert eng mit der Universität Osnabrück (Kongress „Bewegte Kindheit”, Vorlesungsreihen), mit der Hochschule Osnabrück (berufsbegleitendes Bachelor-Studium Elementarpädagogik) sowie mit weiteren niedersächsischen Hochschulen (Universität Hildesheim, Leuphana Universität Lüneburg, Hochschule Emden/Leer, Hochschule Hannover). Auf Bundesebene bestehen Kooperationen mit dem Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung (BeKi), der Karg-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Techniker Krankenkasse.
Grenzen und kritische Einordnung
Bei aller Qualität lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Grenzen des Angebots.
Starke Abhängigkeit von Landesmitteln
Das nifbe ist ein e.V. mit landesfinanziertem Kernauftrag. Politische Prioritätsverschiebungen auf Landesebene können das Angebot beeinflussen. Die Geschichte zeigt Kontinuität - die Strukturreform 2016 hat aber auch gezeigt, dass Umstellungen erheblich sein können (Wegfall der vier Forschungsstellen).
Begrenzte geografische Reichweite der Qualifizierungsangebote
Die Kernformate sind auf niedersächsische Einrichtungen ausgerichtet. Für Kitas in anderen Bundesländern bleibt das Angebot im Kern auf digitale Materialien und Kongressteilnahme begrenzt. Wer mit Bildungsmaterialien arbeitet, kann nifbe-Publikationen ohne Einschränkung nutzen; operativ eingebundene Qualifizierungen gibt es nur für Niedersachsen.
Kein Zertifikatssystem für Kitas
Anders als die Stiftung Kinder forschen vergibt das nifbe kein Qualitätslabel für Einrichtungen. Kitas, die eine nach außen sichtbare Qualitätsauszeichnung suchen, finden diese beim nifbe nicht. Fokus ist Prozess- und Personenqualifizierung, nicht Einrichtungslabeling.
Ressourcenbedarf der Inhouse-Qualifizierungen
28 Unterrichtsstunden pro Säule sind ein erheblicher Zeiteinsatz, der im Alltag geplant werden muss - mit Vertretungsregelungen, Dienstplananpassungen und mit Blick auf das verfügbare Fortbildungsbudget. Wer das nifbe-Angebot nutzen will, sollte die Qualifizierungen als strategisch eingesetzte Fortbildungstage einplanen.
Qualität einzelner Transferstellen variiert
Die fünf Regionalen Transferstellen arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Beratungsprofilen und Kooperationspartnern. Leitungen berichten von spürbaren Unterschieden. Vor einer Prozessbegleitung lohnt das Vorgespräch mit der zuständigen Transferstelle.
Unsere Einschätzung: Welche Rolle das nifbe für Ihre Kita spielen kann
Nach vielen Gesprächen mit niedersächsischen Leitungen und mit Kolleginnen in anderen Bundesländern ziehen wir drei Schlüsse.
Beobachtung eins: In Niedersachsen ist die Prozessbegleitung der unterschätzte Hebel
Viele Leitungen nutzen das nifbe punktuell - für eine Fachtagung, für ein Themenheft, für eine Inhouse-Fortbildung. Die eigentliche Stärke liegt aber in der Prozessbegleitung durch die Regionalen Transferstellen: kontinuierliche Beratung über mehrere Monate, fachliche Begleitung bei der Konzeptentwicklung, Qualitätszirkel zum Erfahrungsaustausch. Das ist ein Angebot, das andernorts mehrere Tausend Euro kosten würde. Wer in Niedersachsen arbeitet und die Transferstelle nicht wenigstens einmal angerufen hat, verschenkt eine erhebliche Ressource.
Beobachtung zwei: Die Online-Bibliothek ist auch für Kitas außerhalb Niedersachsens wertvoll
Für viele Leitungen in anderen Bundesländern ist das nifbe auf den ersten Blick „das niedersächsische Ding” - und wird daher übersehen. Das ist ein Fehler. Die 40 Themenhefte und 20 Professionalisierungsbeiträge sind fachlich solide, wissenschaftlich abgesichert und kostenlos abrufbar. Für die Vorbereitung von Dienstbesprechungen, für die fachliche Einarbeitung neuer Leitungskräfte oder für die argumentative Absicherung von Trägergesprächen sind sie eine hervorragende Ressource - unabhängig vom Bundesland. Wer in Bayern, Berlin oder NRW arbeitet, sollte die Bibliothek mindestens einmal systematisch durchsucht haben.
Beobachtung drei: Die Fachberatungs-Qualifizierung ist ein eigenes Format - nicht für Leitungen gedacht
Die Langzeitqualifizierung zur Kita-Fachberatung wird gelegentlich mit Leitungsqualifizierungen verwechselt. Das ist sie nicht. Sie richtet sich gezielt an Fachberaterinnen und Fachberater - also an die Ebene zwischen Leitung und Träger, die mehrere Einrichtungen betreut. Wer als Leitung eine fundierte Weiterbildung für die eigene Rolle sucht, ist mit anderen Formaten besser bedient - etwa den Werkstätten für Leitungen im Rahmen der landesweiten Qualifizierungsinitiativen oder unseren Empfehlungen zu Fortbildungen für die Kita-Leitung. Der Unterschied ist nicht semantisch, sondern inhaltlich: Fachberatung ist Beratung mehrerer Einrichtungen aus Trägerperspektive, Leitung ist Verantwortung für eine Einrichtung.
Fazit
Das nifbe ist für niedersächsische Kitas eine zentrale Anlaufstelle: kostenlose Teamqualifizierungen, regionale Prozessbegleitung, eine umfangreiche Publikationsarbeit und ein großer biennaler Kongress. Wer dort arbeitet, sollte die Kontakte zur Regionalen Transferstelle aktiv aufbauen.
Für Kitas in anderen Bundesländern bleibt das Angebot im Kern eine bundesweit offene Wissensressource - die Online-Bibliothek, die Videovorlesungen, der MOOC und der Kongress. Die operativen Qualifizierungen gehören zum niedersächsischen Landesangebot und sind dort auch gut aufgehoben.
Im Zusammenspiel mit bundesweiten Initiativen wie der Stiftung Kinder forschen und mit den landesspezifischen Qualifizierungsstrukturen in anderen Bundesländern ergibt sich ein dichtes Netz. Das nifbe ist in diesem Netz ein wichtiger niedersächsischer Knotenpunkt - mit Materialien, die weit über die Landesgrenzen hinaus fachlich tragen.
Hinweis: Fortbildungstermine, Bewerbungsfristen und regionale Angebote verändern sich laufend. Aktuelle Informationen finden Sie auf www.nifbe.de und auf dem Veranstaltungsportal nifbe.javis.app. Dieser Artikel bildet den Stand April 2026 ab.
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