Stellvertretende Leitung Kita: Aufgaben
Du bist stellvertretende Kita-Leitung - oder du überlegst, deine Stellvertretung stärker einzubinden. In beiden Fällen kennst du vermutlich das Problem: Die Rolle ist oft unklar, die Erwartungen diffus, und im Alltag bleibt die Stellvertretung irgendwo zwischen Leitungsverantwortung und Gruppenarbeit hängen.
Das muss nicht so sein. Eine gut aufgestellte Stellvertretung entlastet nicht nur die Leitung - sie macht die gesamte Einrichtung stabiler. In diesem Artikel schauen wir uns an, was die Rolle der stellvertretenden Kita-Leitung ausmacht, welche Aufgaben typischerweise dazugehören und wie Leitung und Stellvertretung so zusammenarbeiten, dass beide davon profitieren.
Warum die Stellvertretung so wichtig ist - und trotzdem oft untergeht
Laut der DKLK-Studie 2024 berichten 84 % der Kita-Leitungen von einer Verschärfung des Personalmangels. 57 % schaffen ihre Verwaltungsarbeit nicht innerhalb der regulären Arbeitszeit. In dieser Situation ist eine funktionierende Stellvertretung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.
Trotzdem wird die Rolle in vielen Einrichtungen stiefmütterlich behandelt. Die Stellvertretung hat oft keinen eigenen Aufgabenbereich, keine festgelegten Entscheidungsbefugnisse und keine geschützte Zeit für Leitungsaufgaben. Sie springt ein, wenn die Leitung krank ist oder Urlaub hat - und ansonsten bleibt alles beim Alten.
Das hat Folgen: Wenn die Leitung tatsächlich ausfällt, steht die Stellvertretung vor einem Berg ungeklärter Zuständigkeiten. Und im Alltag fehlt dem Team eine zweite verlässliche Ansprechperson, die Entscheidungen treffen darf.
Was macht eine stellvertretende Kita-Leitung? Die typischen Aufgaben
Die konkreten Aufgaben variieren je nach Einrichtungsgröße, Träger und Absprache mit der Leitung. Aber es gibt einen Kern, der sich in den meisten Kitas ähnelt:
Vertretung der Leitung bei Abwesenheit
Das ist die offensichtlichste Aufgabe - und gleichzeitig die, die am meisten Vorbereitung braucht. Vertretung heißt nicht nur „die Leitung ist nicht da, also machst du den Dienstplan”. Es bedeutet, Entscheidungen treffen zu können: bei Personalausfällen, bei Elternbeschwerden, bei unvorhergesehenen Situationen.
Damit das funktioniert, muss die Stellvertretung laufend im Bild sein - über aktuelle Personalthemen, laufende Prozesse, offene Elternangelegenheiten und Trägerabsprachen.
Übernahme eigener Verantwortungsbereiche
Eine gute Stellvertretung arbeitet nicht nur dann, wenn die Leitung weg ist. Sie hat eigene Zuständigkeiten, die sie dauerhaft verantwortet. Das können sein:
- Dienstplangestaltung und Personaleinsatzplanung - einer der größten Zeitfresser in der Kita-Leitung. Gerade bei häufigen Ausfällen helfen klare Strategien für den Dienstplan bei Personalausfall
- Einarbeitung neuer Mitarbeitender und Praktikant:innen - Onboarding-Prozesse, Anleitungsgespräche
- Organisation von Elternabenden und Festen - Vorbereitung, Einladungen, Koordination
- Qualitätsentwicklung in einem bestimmten Bereich - zum Beispiel Eingewöhnung, Beobachtung und Dokumentation oder Hygiene
- Materialbestellung und Inventar - klingt banal, kostet aber erstaunlich viel Zeit
- Fortbildungsplanung fürs Team - Überblick über Pflichtfortbildungen, Budgetplanung, Anmeldungen
Welche Bereiche das konkret sind, hängt von den Stärken und Interessen der Stellvertretung ab - und davon, wo die Leitung am meisten Entlastung braucht.
Bindeglied zwischen Leitung und Team
Die Stellvertretung kennt beide Seiten: Sie weiß, was die Leitung plant und entscheidet, und sie ist nah genug am Team, um die Stimmung, die Belastung und die offenen Fragen mitzubekommen. Diese Brückenfunktion ist enorm wertvoll - wenn sie bewusst gestaltet wird.
Das bedeutet nicht, dass die Stellvertretung zur Nachrichtenbotin wird. Aber sie kann Themen aus dem Team aufnehmen und in die Leitungsebene tragen, bevor sie eskalieren. Und sie kann Leitungsentscheidungen im Team erklären und mittragen.
Mitgestaltung der pädagogischen Konzeption
In vielen Einrichtungen ist die Stellvertretung auch fachlich in die Konzeptionsarbeit eingebunden: Sie bringt Impulse ein, moderiert Teamprozesse zu pädagogischen Themen oder begleitet die Umsetzung neuer Ansätze in den Gruppen.
Die Sandwich-Position: Das größte Dilemma der Stellvertretung
Viele stellvertretende Leitungen beschreiben ihre Rolle als Sandwich-Position: von oben kommen Leitungserwartungen, von unten Teamerwartungen - und dazwischen steckt man fest. Diese Dauerbelastung kann auf Dauer die eigene Gesundheit gefährden - wie du dem gezielt vorbeugst, beschreibt unser Artikel zur Burnout-Prävention im Kita-Team.
Typische Spannungsfelder
- Kollegin oder Vorgesetzte? Die Stellvertretung war oft vorher Teil des Teams. Plötzlich soll sie Entscheidungen mittragen, die nicht allen gefallen. Die alte Kollegialität verändert sich, aber die neue Rolle ist noch nicht etabliert.
- Verantwortung ohne Befugnis. Die Stellvertretung soll Dinge regeln, darf aber eigentlich nichts entscheiden. Jede Frage geht zurück an die Leitung - das frustriert alle Beteiligten.
- Doppelbelastung. Viele Stellvertretungen arbeiten weiterhin in der Gruppe und haben zusätzlich Leitungsaufgaben. Eine echte Freistellung oder auch nur feste Bürozeiten fehlen oft.
- Loyalitätskonflikte. Was, wenn das Team eine Leitungsentscheidung kritisiert und die Stellvertretung insgeheim zustimmt? Die Balance zwischen Loyalität zur Leitung und Ehrlichkeit gegenüber dem Team ist nicht immer leicht.
Was hilft gegen die Sandwich-Falle?
Die wichtigste Maßnahme: Transparenz über die Rolle. Wenn das Team weiß, welche Aufgaben und Befugnisse die Stellvertretung hat, sinkt das Konfliktpotenzial erheblich. Nicht weil alle einverstanden sind, sondern weil Klarheit herrscht.
Außerdem hilft es, die Rollentrennung bewusst zu kommunizieren: „In meiner Rolle als stellvertretende Leitung habe ich diese Entscheidung getroffen” ist etwas anderes als eine beiläufige Anweisung, die nach persönlicher Meinung klingt.
Rollenklärung: Das Fundament für eine funktionierende Zusammenarbeit
Ein Beispiel, das wir oft sehen: Die häufigste Ursache für Probleme zwischen Leitung und Stellvertretung ist nicht fehlendes Vertrauen - es sind ungeklärte Erwartungen. Beide haben ein Bild davon, wie die Zusammenarbeit laufen sollte, aber sie haben nie darüber gesprochen.
Was konkret geklärt werden muss
Setzt euch zusammen - nicht zwischen Tür und Angel, sondern in einer geschützten Stunde - und besprecht folgende Punkte:
1. Entscheidungsbefugnisse
- Welche Entscheidungen darf die Stellvertretung eigenständig treffen?
- Bei welchen muss Rücksprache gehalten werden?
- Was passiert bei Abwesenheit der Leitung - gelten dann erweiterte Befugnisse?
2. Informationsfluss
- Wie und wie oft tauscht ihr euch aus? Reicht ein kurzer Montag-Check-in oder braucht ihr eine feste wöchentliche Besprechung?
- Welche Informationen muss die Stellvertretung immer haben (z. B. Personalthemen, Träger-Kommunikation, Elternbeschwerden)?
- Wie werden laufende Vorgänge dokumentiert, damit bei einem Ausfall nichts verloren geht?
3. Aufgabenverteilung
- Welche Aufgaben liegen dauerhaft bei der Stellvertretung?
- Welche werden situativ delegiert?
- Gibt es Aufgaben, die explizit nicht an die Stellvertretung gehen (z. B. Personalentscheidungen, Budget)?
4. Zeitressourcen
- Wie viel Zeit pro Woche steht der Stellvertretung für Leitungsaufgaben zur Verfügung?
- Gibt es feste Bürozeiten oder wird das „nebenbei” erledigt?
- Wer übernimmt die Gruppenarbeit, wenn die Stellvertretung Leitungsaufgaben hat?
5. Vertretung nach außen
- Darf die Stellvertretung gegenüber dem Träger, dem Jugendamt oder Eltern eigenständig auftreten?
- Wie wird das nach außen kommuniziert?
Das Ergebnis festhalten
Klingt bürokratisch, ist aber Gold wert: Haltet die Ergebnisse schriftlich fest. Kein 20-seitiges Dokument - eine Seite reicht. Eine einfache Übersicht, die ihr beide unterschreibt und die im Büro griffbereit liegt. So kann sich niemand darauf berufen, dass „das nie besprochen” wurde.
Überprüft diese Vereinbarung einmal im Jahr - zum Beispiel zu Beginn des neuen Kita-Jahres. Rollen und Anforderungen ändern sich, und die Aufgabenverteilung sollte mitwachsen.
Aufgabenverteilung in der Praxis: So kann es aussehen
Jede Einrichtung ist anders, aber als Orientierung kann diese Aufteilung helfen:
| Bereich | Leitung | Stellvertretung |
|---|---|---|
| Personalführung | Einstellungen, Kündigungen, Mitarbeitergespräche | Dienstplan, Einarbeitung neuer Fachkräfte, Praktikant:innen |
| Pädagogik | Konzeptionsentwicklung, Fachberatung | Umsetzung in den Gruppen, pädagogische Impulse im Team |
| Elternarbeit | Aufnahmegespräche, Konfliktklärung, Elternbeirat | Elternabende, Tür-und-Angel-Gespräche, Aushänge |
| Organisation | Budget, Träger-Kommunikation | Materialbestellung, Fest- und Veranstaltungsplanung |
| Qualität | QM-Gesamtverantwortung, Evaluation | QM in einem definierten Bereich (z. B. Hygiene, Eingewöhnung) |
| Team | Teamentwicklung, Supervision | Teammeetings vorbereiten und moderieren, Fortbildungsplanung |
| Vertretungsfall | - | Übernahme aller Leitungsaufgaben nach Vertretungsregelung |
Diese Tabelle ist kein starres Schema. Sie ist ein Ausgangspunkt, den ihr an eure Einrichtung anpasst. Wichtig ist, dass beide Seiten wissen, wer was macht - und dass das Team es auch weiß.
Tipps für Leitungen: So stärkst du deine Stellvertretung
Wenn du Kita-Leitung bist, liegt es vor allem an dir, die Stellvertretung in eine Position zu bringen, in der sie wirklich wirksam sein kann.
1. Gib echte Verantwortung ab - nicht nur Aufgaben
Es gibt einen Unterschied zwischen „Kümmere dich mal um den Dienstplan” und „Der Dienstplan ist ab jetzt dein Bereich. Du entscheidest, wie er aussieht, und ich mische mich nur ein, wenn du mich fragst.” Das eine ist ein Auftrag, das andere ist Verantwortung. Deine Stellvertretung braucht Letzteres.
2. Informiere proaktiv
Nichts untergräbt die Stellvertretung so sehr wie Informationsasymmetrie. Wenn das Team merkt, dass die Stellvertretung bei wichtigen Themen nicht im Bild ist, verliert sie Autorität. Mache es dir zur Gewohnheit, deine Stellvertretung in alle relevanten Informationsflüsse einzubinden - auch wenn sie gerade nicht „an der Reihe” ist.
3. Steh hinter Entscheidungen deiner Stellvertretung
Wenn die Stellvertretung eine Entscheidung getroffen hat, die du anders gemacht hättest: Besprich das unter vier Augen, nicht vor dem Team. Öffentlich korrigiert zu werden, zerstört jede Autorität. Das heißt nicht, dass Fehler nicht angesprochen werden. Aber der Ort und der Ton machen den Unterschied.
4. Schaffe geschützte Zeit
Wenn deine Stellvertretung Leitungsaufgaben übernehmen soll, braucht sie auch die Zeit dafür. Das bedeutet konkret: feste Bürozeiten im Dienstplan, in denen sie nicht in der Gruppe eingeplant ist. Ja, das verschärft die Personalsituation in den Gruppen. Aber eine Stellvertretung, die alles „nebenbei” macht, macht am Ende nichts richtig.
5. Investiere in Weiterbildung
Stellvertretende Leitungen brauchen andere Kompetenzen als Gruppenerzieher:innen - Gesprächsführung, Konfliktmanagement, Organisationsfähigkeit. Wenn deine Stellvertretung keine Leitungsweiterbildung hat, plane eine ein. Es gibt gute Formate, die berufsbegleitend funktionieren.
Tipps für Stellvertretungen: So wächst du in die Rolle hinein
Wenn du selbst stellvertretende Leitung bist - oder es werden willst - gibt es einiges, was du aktiv tun kannst, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht perfekt sind.
1. Fordere Klarheit ein
Wenn deine Rolle unklar ist, warte nicht darauf, dass jemand sie für dich klärt. Bitte deine Leitung um ein Gespräch und schlage eine Aufgabenverteilung vor. Das zeigt Initiative und schafft die Grundlage, auf der du arbeiten kannst.
2. Bau dir Wissen auf - systematisch
Als Stellvertretung brauchst du einen Überblick über Bereiche, die du vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hattest: Personalplanung, Budgetfragen, Trägerkommunikation, rechtliche Grundlagen. Du musst nicht alles sofort können. Aber mach dir einen Plan, in welchen Bereichen du dich weiterentwickeln willst - und fang an.
3. Pflege dein Verhältnis zum Team - aber setze Grenzen
Du warst vielleicht vorher Teil des Teams und bist jetzt in einer veränderten Rolle. Das ist eine der schwierigsten Übergänge. Du kannst weiterhin kollegial und nahbar sein - aber du musst auch bereit sein, unpopuläre Entscheidungen mitzutragen. Das geht am besten, wenn du transparent kommunizierst: „Ich verstehe, dass das nicht alle gut finden. Aber als stellvertretende Leitung trage ich diese Entscheidung mit.”
4. Dokumentiere, was du tust
Führe eine einfache Übersicht über deine Aufgaben, Entscheidungen und laufenden Projekte. Das hat drei Vorteile: Du behältst den Überblick, deine Leitung kann sich jederzeit informieren, und du hast eine Grundlage für Mitarbeitergespräche - auch für deine eigene Weiterentwicklung.
5. Nutze die Abwesenheit der Leitung als Chance
Wenn die Leitung im Urlaub ist oder auf einer Fortbildung, ist das dein Moment. Nicht um alles umzukrempeln, sondern um zu zeigen, dass der Laden läuft. Triff Entscheidungen, halte den Ablauf aufrecht, dokumentiere, was du geregelt hast. Jede gelungene Vertretungszeit stärkt deine Position dauerhaft.
6. Such dir ein Netzwerk
Andere stellvertretende Leitungen kennen deine Situation. Viele Kommunen und Träger bieten eigene Arbeitskreise oder Fortbildungen für Stellvertretungen an. Wenn es so etwas in deiner Region nicht gibt, frag bei deiner Fachberatung nach - oder gründe selbst eine kleine Runde.
Gemeinsame Routinen: Was Leitung und Stellvertretung zusammenhält
Neben der einmaligen Rollenklärung braucht die Zusammenarbeit regelmäßige Routinen:
- Wöchentlicher Kurz-Check-in (15-20 Minuten): Was steht diese Woche an? Gibt es offene Themen? Muss jemand informiert werden? Dieser Termin ist heilig - er fällt nicht aus, nur weil gerade viel los ist.
- Monatliche Reflexion (30-60 Minuten): Was lief gut, was nicht? Wo müssen wir die Aufgabenverteilung anpassen? Gibt es Themen, die eskaliert sind, weil die Kommunikation nicht funktioniert hat?
- Gemeinsame Vorbereitung der Teammeetings: Wenn ihr die Teammeetings zusammen plant, seid ihr inhaltlich auf dem gleichen Stand und tretet als Team auf - nicht als Leitung plus Assistenz. Ein strukturierter Meetingplan hilft dabei, die Themen im Voraus zu sortieren und die Moderation aufzuteilen.
- Übergabeprotokoll vor jeder längeren Abwesenheit: Was liegt gerade auf dem Tisch? Welche Fristen laufen? Wen muss man anrufen, wenn etwas schiefgeht? Das muss kein Roman sein - eine halbe Seite mit Stichpunkten reicht.
Wenn du die gemeinsame Meetingplanung strukturiert angehen willst: Das Kita-Meeting-Jahrespaket von Kita Zentrale enthält 12 komplett vorbereitete Teammeetings - mit Agenda, Slides und Moderationsfahrplan. Das spart dir und deiner Stellvertretung jeden Monat Vorbereitungszeit und gibt euch eine gemeinsame Grundlage für die Teamarbeit.
Häufige Fehler - und wie ihr sie vermeidet
Die Stellvertretung nur als Notlösung sehen
Was viele Leitungen unterschätzen: Wenn die Stellvertretung erst dann zum Einsatz kommt, wenn die Leitung ausfällt, ist sie permanent unvorbereitet. Eine gute Stellvertretung ist im Alltag eingebunden, nicht nur im Vertretungsfall.
Alles mündlich regeln
„Das haben wir doch besprochen” - ja, aber wann? Und was genau? Schriftliche Vereinbarungen sind kein Misstrauensvotum, sondern ein Werkzeug. Gerade in einer Rolle, die oft informell gelebt wird, schafft Schriftlichkeit Verbindlichkeit.
Die Stellvertretung vor dem Team übergehen
Wenn die Leitung Entscheidungen trifft, die eigentlich im Bereich der Stellvertretung liegen, ohne sie einzubeziehen, sendet das ein klares Signal an das Team: Die Stellvertretung hat eigentlich nichts zu sagen. Das lässt sich kaum reparieren.
Keine eigene Haltung entwickeln
Als Stellvertretung darfst du eine eigene fachliche Meinung haben - auch wenn sie nicht immer mit der Leitung übereinstimmt. Das Ziel ist nicht blinde Gefolgschaft, sondern konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Unterschiedliche Perspektiven machen Entscheidungen besser, nicht schlechter.
Wenn die Belastung zu groß wird: Handlungsoptionen für Stellvertretungen
Viele Leitungen und stellvertretende Leitungen berichten, dass die Doppelbelastung aus Gruppen- und Leitungsarbeit dauerhaft nicht tragbar ist. Wenn feste Freistellungszeiten fehlen, der Personalschlüssel dauerhaft unterschritten ist und Leitungsaufgaben systematisch in die Freizeit verdrängen, ist das nicht nur ein persönliches Problem - es ist ein dokumentierbarer Missstand.
Als stellvertretende Leitung hast du dasselbe Recht wie die Leitung selbst, eine Überlastungsanzeige an den Träger zu richten. Diese schriftliche Mitteilung stützt sich auf die kombinierten Pflichten aus §§ 15 und 16 ArbSchG: § 15 verpflichtet Beschäftigte zur Sorge für die eigene Sicherheit und Gesundheit, § 16 verpflichtet sie, festgestellte erhebliche unmittelbare Gefahren unverzüglich zu melden. Die Überlastungsanzeige beschreibt sachlich, welche Rahmenbedingungen dauerhaft nicht erfüllt sind und welche Gefährdungen daraus für Beschäftigte und Kinder entstehen.
Wichtig für stellvertretende Leitungen: Eine Überlastungsanzeige ist kein Angriff auf die Leitung und kein Vertrauensbruch. Idealerweise wird sie gemeinsam von Leitung und Stellvertretung formuliert und eingereicht - das verstärkt das Signal gegenüber dem Träger erheblich. Wenn das nicht möglich ist (etwa weil die Leitung selbst Teil des Problems ist), hast du als Stellvertretung das Recht, es eigenständig zu tun.
Was eine Überlastungsanzeige der Stellvertretung dokumentieren sollte:
- Welche Leitungsaufgaben werden tatsächlich übernommen?
- Wie viele Stunden pro Woche stehen dafür zur Verfügung - und wie viele wären nötig?
- In welchen Zeiträumen war der Personalschlüssel unterschritten, und welche Konsequenzen hatte das?
- Welche Anfragen an den Träger wurden bereits gestellt - und wie wurde reagiert?
Halte diese Anzeige so sachlich und konkret wie möglich. Kein Schreiben, das wie eine Beschwerde klingt - sondern wie eine professionelle Risikoeinschätzung. Das schützt dich rechtlich und ist die Grundlage für ein fundiertes Gespräch mit dem Träger.
Wenn es nicht funktioniert: Wann externe Unterstützung sinnvoll ist
Manchmal stecken Leitung und Stellvertretung in einem Muster fest, aus dem sie alleine nicht herauskommen. Vielleicht gibt es unausgesprochene Konflikte, vielleicht stimmt die Chemie nicht, vielleicht sind die Rahmenbedingungen so eng, dass keine gute Lösung möglich scheint.
In solchen Fällen kann eine Teamsupervision oder ein Coaching helfen. Viele Träger finanzieren Supervision - frag nach, bevor du annimmst, dass es nicht möglich ist. Externe Begleitung hat den Vorteil, dass jemand von außen auf die Dynamik schaut, ohne in das Alltagsgeschehen verstrickt zu sein.
Auch eine Fachberatung des Trägers oder des Jugendamts kann unterstützen - nicht nur bei pädagogischen Fragen, sondern auch bei Leitungs- und Strukturthemen.
Stellvertretung als Entwicklungschance
Die Rolle der stellvertretenden Leitung ist anspruchsvoll, manchmal undankbar - und gleichzeitig eine der besten Vorbereitungen auf eine eigene Leitungsposition. Wer als Stellvertretung gelernt hat, zwischen Leitung und Team zu vermitteln, Verantwortung zu übernehmen und unter unklaren Bedingungen handlungsfähig zu bleiben, bringt genau die Kompetenzen mit, die in der Kita-Leitung gefragt sind. Falls du den Sprung auf die Leitungsposition planst, findest du in unserem Artikel Neue Kita-Leitung: Die ersten 100 Tage einen konkreten Fahrplan für den Start.
Für Leitungen gilt: Deine Stellvertretung ist nicht deine Assistenz. Sie ist dein wichtigster Partner in der Einrichtung. Je stärker sie ist, desto stärker bist du. Investiere in diese Zusammenarbeit - es zahlt sich aus. Für euch beide und für die gesamte Kita.
Quellenangaben
- DKLK-Studie 2024: Personalnot in Kitas wächst - zu Lasten der Kinder. 3.055 Kita-Leitungen befragt. bllv.de
- Wolters Kluwer (2024): Zukunftsstudie Kita-Management 2024 - Digitalisierung im Kita-Alltag. wolterskluwer.com
- Deutsches Jugendinstitut (DJI): Fachkräftemangel und Verwaltungsaufwand belasten Kita-Leitungen und Qualität der Einrichtungen. dji.de
- Nentwig-Gesemann, I., Nicolai, K. & Köhler, L. (2016): Kita-Leitung als Schlüsselposition. Erfahrungen und Orientierungen von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen. Bertelsmann Stiftung. bertelsmann-stiftung.de
Dieser Artikel dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung. Die konkreten Rahmenbedingungen für stellvertretende Leitungen variieren je nach Träger, Bundesland und Einrichtungsgröße.
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