Kita Eingewöhnung klappt nicht: Was tun?

Die Eingewöhnung läuft seit zwei Wochen. Das Kind weint bei jeder Trennung. Die Mutter steht mit Tränen in den Augen im Flur. Die Bezugserzieherin fragt dich zum dritten Mal, ob sie irgendetwas falsch macht. Und du als Leitung stehst dazwischen und fragst dich: Was tun wir jetzt?

Schwierige Eingewöhnungen gehören zum Kita-Alltag. Nicht jedes Kind findet in den ersten zwei Wochen seinen Platz, nicht jede Familie bringt die gleichen Voraussetzungen mit. Das ist kein Versagen - weder vom Kind noch vom Team. Aber es braucht klare Handlungsoptionen, damit aus einer stockenden Eingewöhnung kein Dauerproblem wird.

Dieser Artikel richtet sich an dich als Kita-Leitung. Er zeigt dir, warum Eingewöhnungen ins Stocken geraten, woran du erkennst, dass etwas nicht stimmt, und welche konkreten Schritte du einleiten kannst - von der Verlängerung über die Pause bis zur Frage, wann externe Hilfe sinnvoll ist.

Komplett-Guide: Den vollständigen Überblick findest du in unserem Eingewöhnung in der Kita: Der Komplett-Guide.

Warum eine Eingewöhnung scheitern kann

Wenn eine Eingewöhnung nicht klappt, gibt es selten nur eine Ursache. Meistens spielen mehrere Faktoren zusammen. Es hilft, diese Faktoren systematisch zu betrachten - nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um den richtigen Hebel zu finden.

Bindung und Beziehungsaufbau

Das Kind hat noch keine sichere Beziehung zur Bezugserzieherin aufgebaut. Das kann daran liegen, dass die Fachkraft im Trubel des Gruppenalltags zu wenig exklusive Zeit mit dem Kind hatte. Oder dass die Chemie zwischen Kind und Bezugsperson nicht stimmt - das kommt vor und ist kein Vorwurf an die Fachkraft.

Bindungsforschung zeigt, dass Kinder sich in ihrer Bereitschaft, neue Bindungen einzugehen, erheblich unterscheiden. Kinder mit einer sicher gebundenen Beziehung zur primären Bezugsperson können sich in der Regel leichter auf neue Personen einlassen als Kinder mit unsicher-vermeidender oder unsicher-ambivalenter Bindung (vgl. Grossmann & Grossmann, 2012). Das bedeutet nicht, dass unsicher gebundene Kinder nicht eingewöhnt werden können - aber sie brauchen mehr Zeit, mehr Feinfühligkeit und eine besonders behutsame Begleitung.

Elterliche Unsicherheit und Trennungsangst

Eltern, die selbst unsicher sind, ob die Kita der richtige Ort für ihr Kind ist, übertragen diese Unsicherheit unbewusst. Das Kind spürt: Mama oder Papa sind nicht überzeugt, dass es hier sicher ist. Und ein Kind, das die Angst seiner Eltern wahrnimmt, kann sich nicht entspannen.

Das ist keine Schuldzuweisung. Viele Eltern haben nachvollziehbare Gründe für ihre Sorgen - negative eigene Erfahrungen, mediale Berichte über Personalmangel, oder schlicht die Tatsache, dass sie ihr Kind zum ersten Mal in fremde Hände geben. Aber wenn die elterliche Unsicherheit nicht erkannt und begleitet wird, blockiert sie den gesamten Prozess.

Temperament und Entwicklungsstand des Kindes

Manche Kinder sind von Natur aus zurückhaltender, brauchen länger, um sich auf neue Situationen einzulassen. Das ist keine Störung, sondern eine Temperamentseigenschaft. Studien zur Temperamentsforschung nach Thomas und Chess unterscheiden verschiedene Temperamentstypen - darunter das sogenannte „langsam auftauende” Kind, das in neuen Situationen zunächst beobachtet und sich erst nach und nach öffnet (vgl. Zentner, 2008).

Auch der Entwicklungsstand spielt eine Rolle. Kinder, die gerade mitten in der sogenannten Fremdelphase stecken (typischerweise zwischen dem 8. und 18. Lebensmonat), reagieren besonders empfindlich auf neue Bezugspersonen. Das Timing der Eingewöhnung kann also entscheidend sein.

Strukturelle Probleme in der Einrichtung

Manchmal liegt es nicht am Kind und nicht an den Eltern - sondern an den Rahmenbedingungen. Was uns in der Praxis immer wieder auffällt: Zu viele Kinder werden gleichzeitig eingewöhnt. Die Bezugserzieherin hat keine geschützte Zeit für das neue Kind. Der Raum ist zu laut, zu voll, zu unübersichtlich. Oder die Fachkraft wechselt ständig, weil der Dienstplan es nicht anders hergibt.

Diese strukturellen Faktoren werden oft übersehen, weil der Blick reflexartig auf das Kind fällt. Aber wenn drei Eingewöhnungen parallel laufen und die Personaldecke dünn ist, wäre es verwunderlich, wenn alles reibungslos klappt. Viele dieser Fehler sind vermeidbar - in unserem Artikel zu den häufigsten Eingewöhnungsfehlern findest du eine systematische Übersicht mit konkreten Gegenmaßnahmen.

Wenn du die verschiedenen Eingewöhnungsmodelle und ihre Phasen im Detail verstehen willst, lies unseren Vergleich: Berliner vs. Münchner Eingewöhnungsmodell. Dort erklären wir Ablauf, Dauer und Entscheidungshilfen - eine gute Grundlage, um einzuordnen, an welcher Stelle der Prozess stockt.

Red Flags: Woran du erkennst, dass die Eingewöhnung nicht läuft

Nicht jedes Weinen ist ein Alarmsignal. Es ist normal, dass Kinder in den ersten Tagen beim Abschied weinen - das gehört zum Trennungsprozess. Entscheidend ist nicht, ob das Kind weint, sondern ob es sich trösten lässt und ob es zwischendurch entspannte Phasen erlebt.

Achte auf folgende Warnsignale:

  • Kein Rückgang der Belastung über Tage: Das Kind weint nicht nur beim Abschied, sondern durchgehend während des gesamten Aufenthalts - auch nach zehn oder mehr Tagen.
  • Keine Exploration: Das Kind zeigt kein Interesse an Spielmaterial, anderen Kindern oder den Räumlichkeiten. Es bleibt an einem Ort, zieht sich zurück oder klammert an der Bezugserzieherin, ohne sich je zu lösen.
  • Körperliche Stresssymptome: Wiederholtes Erbrechen, Durchfall, Schlafverweigerung oder extremer Appetitverlust, die über die normalen Anpassungsreaktionen hinausgehen.
  • Regression: Das Kind fällt in Entwicklungsschritte zurück, die es bereits gemeistert hatte - zum Beispiel Einnässen, obwohl es bereits trocken war, oder Verlust von Sprachfähigkeiten.
  • Eltern können sich nicht lösen: Die Bezugsperson kann auch nach zwei Wochen den Raum nicht verlassen, ohne dass das Kind in Panik gerät. Oder die Eltern selbst können den Abschied emotional nicht bewältigen und brechen Trennungsversuche wiederholt ab.
  • Fachkraft zeigt Erschöpfung: Die Bezugserzieherin wirkt zunehmend hilflos, frustriert oder distanziert. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie Unterstützung braucht - nicht dafür, dass sie versagt.

Wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen und über mehr als eine Woche anhalten, ist es Zeit zu handeln.

Der Mythos der schnellen Eingewöhnung

Es gibt ein hartnäckiges Missverständnis, das immer wieder auftaucht - bei Eltern, bei Trägern, manchmal sogar bei Fachkräften: dass eine gute Eingewöhnung eine schnelle Eingewöhnung ist. Nach dem Motto: Je weniger das Kind weint, je schneller es „funktioniert”, desto besser war der Prozess.

Das Gegenteil kann der Fall sein. Eine schnelle Kita-Eingewöhnung bedeutet nicht automatisch eine gute Bindung. Manche Kinder passen sich oberflächlich an, ohne eine echte Beziehung zur Bezugsperson aufgebaut zu haben. Sie weinen nicht, weil sie gelernt haben, dass Weinen nichts bringt - nicht weil sie sich sicher fühlen. Fachlich spricht man hier von einer Scheinanpassung.

Aus unserer Erfahrung: Kinder, die sich scheinanpassen, zeigen oft erst Wochen oder Monate später Belastungszeichen - veränderter Schlaf, Rückzug, anhaltende Unruhe oder ausgeprägte Trennungsangst. Die Eingewöhnung war scheinbar erfolgreich - aber die Bindung trägt nicht.

Für dich als Leitung bedeutet das: Widerstehe dem Druck, Eingewöhnungen zu beschleunigen. Weder der Vertragsbeginn noch der Arbeitgeber der Eltern sind ein Argument dafür, ein Kind schneller zu trennen, als es emotional verkraftet. Kommuniziere das klar - gegenüber Eltern, gegenüber dem Träger und gegenüber deinem Team.

Handlungsoptionen: Verlängern, pausieren, neu starten

Wenn die Eingewöhnung stockt, hast du als Leitung drei grundsätzliche Optionen. Welche die richtige ist, hängt von der Situation ab.

Option 1: Eingewöhnung verlängern

Wann sinnvoll: Das Kind zeigt langsame, aber erkennbare Fortschritte. Es gibt Momente, in denen es sich auf die Bezugserzieherin einlässt. Die Richtung stimmt - es dauert nur länger als erwartet.

Was du tun kannst:

  • Sprich mit den Eltern offen über den verlängerten Zeitrahmen. Erkläre, warum Geduld jetzt wichtig ist und welche positiven Zeichen du siehst. Mit unserem Eingewöhnungs-Planer kannst du eine neue Eingewöhnungs-Timeline planen und den angepassten Ablauf gleich als Elternbrief mitgeben.
  • Verkürze die tägliche Aufenthaltsdauer, wenn nötig. Lieber zwei entspannte Stunden als vier stressige.
  • Stelle sicher, dass die Bezugserzieherin weiterhin geschützte Zeit für das Kind hat. Wenn sie parallel drei andere Kinder eingewöhnt, ist Verlängern allein keine Lösung.
  • Dokumentiere die kleinen Fortschritte. Das hilft der Fachkraft, motiviert zu bleiben, und gibt den Eltern Vertrauen.

Option 2: Eingewöhnung pausieren

Wann sinnvoll: Das Kind zeigt deutliche Belastungssymptome, und die Situation verschlechtert sich trotz individueller Begleitung. Eine Pause kann sinnvoll sein, wenn äußere Faktoren die Eingewöhnung aktuell erschweren - zum Beispiel ein Geschwisterkind, das gerade geboren wurde, oder eine familiäre Krise.

Was du tun kannst:

  • Vereinbare mit den Eltern eine klare Pause von ein bis zwei Wochen. Keine vagen Absprachen nach dem Motto „schauen wir mal”, sondern ein konkretes Datum für den Neustart.
  • Besprich mit der Familie, was sich in der Zwischenzeit verändern kann. Brauchen die Eltern selbst Unterstützung? Gibt es zu Hause Stressfaktoren, die gemildert werden können?
  • Nutze die Zeit, um im Team zu reflektieren: Haben wir etwas übersehen? Brauchen wir einen anderen Ansatz?
  • Halte den Kontakt zu den Eltern während der Pause. Ein kurzer Anruf nach einer Woche zeigt: Wir geben nicht auf, wir nehmen euch ernst.

Option 3: Eingewöhnung neu starten

Wann sinnvoll: Die Eingewöhnung ist grundlegend gescheitert - das Kind hat massive Abwehrreaktionen entwickelt, die Beziehung zur Bezugserzieherin ist belastet, oder die Eltern haben das Vertrauen in den Prozess verloren.

Was du tun kannst:

  • Wechsle die Bezugserzieherin. Das ist kein Zeichen von Versagen, sondern eine fachliche Entscheidung. Manchmal stimmt die Passung einfach nicht - und ein Neustart mit einer anderen Fachkraft kann den entscheidenden Unterschied machen.
  • Beginne den Prozess tatsächlich von vorn. Kein „weitermachen, wo wir aufgehört haben”, sondern ein echter Neubeginn mit neuer Grundlagenphase.
  • Führe ein ausführliches Elterngespräch vor dem Neustart. Was haben die Eltern erlebt? Was haben sie beobachtet? Was brauchen sie, um sich auf den zweiten Versuch einzulassen?
  • Prüfe, ob ein anderes Eingewöhnungsmodell besser passen könnte. Wenn ihr nach dem Berliner Modell gearbeitet habt und das Kind mehr Elternpräsenz braucht, kann ein Wechsel zum Münchner Modell sinnvoll sein.

Wenn alle Optionen ausgeschöpft sind: Den Eingewöhnungsabbruch kommunizieren

In seltenen Fällen kommst du zu dem Schluss, dass eine Eingewöhnung nicht fortgesetzt werden kann - weder verlängert noch neu gestartet. Das kann passieren, wenn das Kind dauerhaft unter deutlichen Stresssymptomen leidet und keine erkennbare Besserung eintritt, wenn die familiäre Belastungssituation so hoch ist, dass die Kita die Kapazitäten der Eingewöhnung übersteigt, oder wenn trotz aller Bemühungen keine tragfähige Beziehung zwischen Kind und Einrichtung entsteht.

Wann du eine Grenze setzen musst

Die Grenze ist erreicht, wenn die Fortsetzung der Eingewöhnung dem Kind mehr schadet als nützt. Das ist eine fachliche Einschätzung, keine Entscheidung aus Ressourcenmangel. Zeige sie klar an, bevor die Situation eskaliert:

  • Das Kind zeigt nach acht oder mehr Wochen konsequenter Begleitung keine Anzeichen von Beruhigung oder Bindungsaufbau
  • Es gibt Hinweise auf akute Überlastung: anhaltender Gewichtsverlust, Entwicklungsrückschritte, psychosomatische Symptome
  • Eltern und Kita haben grundlegend unterschiedliche Einschätzungen, und eine gemeinsame Grundlage ist nicht mehr herstellbar

Das Gespräch mit den Eltern führen

Ein Abbruchgespräch ist eines der schwierigsten Elterngespräche, die du als Leitung führst. Vorbereitung ist entscheidend:

Vorab klären: Liegt die Entscheidung allein bei dir, oder muss der Träger einbezogen werden? Kläre intern ab, bevor du mit den Eltern sprichst. Nichts ist schädlicher für das Vertrauen, als eine Aussage, die du danach zurücknehmen musst.

Im Gespräch:

  • Beschreibe konkret und ohne Vorwurf, was du beobachtet hast. Nicht „Ihr Kind passt nicht in unsere Einrichtung”, sondern: „Wir sehen, dass [Name] auch nach acht Wochen intensiver Begleitung noch keine ruhigen Phasen findet. Das belastet ihn/sie erkennbar.”
  • Mache deutlich, dass dies keine Absage an das Kind oder die Familie ist, sondern eine Einschätzung, dass eine andere Betreuungsform aktuell besser passen könnte.
  • Benenne konkrete nächste Schritte: Was passiert bis zum letzten Betreuungstag? Wie kannst du die Familie bei der Suche nach einer Alternative unterstützen (Kontakt zum Jugendamt, Verweis auf Frühförderstelle oder Beratungsstelle)?

Nach dem Gespräch:

  • Halte das Gespräch und die Entscheidungsgrundlagen schriftlich fest.
  • Informiere den Träger und dokumentiere, welche Maßnahmen zuvor versucht wurden.
  • Gib dem Kind einen würdevollen Abschluss: ein letzter Besuch, eine kurze Verabschiedung im vertrauten Rahmen, kein abruptes Ende.

Die Entscheidung, eine Eingewöhnung abzubrechen, erfordert Mut - und sie ist manchmal die fachlich verantwortungsvollste Entscheidung, die du treffen kannst.

Elternkommunikation bei schwierigen Eingewöhnungen

Die Kommunikation mit den Eltern ist der Dreh- und Angelpunkt. Wenn Eltern das Gefühl haben, dass ihre Sorgen nicht ernst genommen werden, oder wenn sie nicht verstehen, warum der Prozess länger dauert, verlieren sie Vertrauen - und das Kind spürt es.

Grundsätze für schwierige Gespräche

Transparenz statt Beschönigung. Sag ehrlich, wie es läuft. „Ihr Kind weint noch viel bei der Trennung, und wir sehen, dass es ihm schwerfällt” ist besser als „Das wird schon, das ist ganz normal.” Denn wenn Eltern merken, dass du die Situation herunterspielst, fühlen sie sich nicht ernst genommen.

Beobachtungen statt Bewertungen. Beschreibe, was du siehst, nicht was du interpretierst. „Lena sucht im Raum nach Ihnen und lässt sich bisher nur kurz von Frau Meier trösten” ist konkreter und weniger belastend als „Lena hat ein Bindungsproblem.”

Eltern als Partner, nicht als Problem. Auch wenn du den Eindruck hast, dass die elterliche Unsicherheit den Prozess blockiert - formuliere es als gemeinsame Aufgabe: „Was können wir zusammen tun, damit der Abschied leichter wird?” statt „Sie müssen konsequenter sein.”

Konkrete nächste Schritte. Jedes Gespräch über eine schwierige Eingewöhnung sollte mit einem klaren Plan enden: Was passiert morgen? Wie lange bleibt das Kind? Wer ist die Bezugsperson? Wann sprechen wir wieder?

Wenn Eltern Druck machen

Manche Eltern drängen auf eine schnelle Lösung - verständlicherweise, weil sie zurück in den Job müssen. Hier brauchst du als Leitung ein klares Rückgrat:

  • Erkläre, warum eine erzwungene Trennung dem Kind schaden kann - sachlich und ohne Vorwurf.
  • Biete Alternativen an: Kann das Kind zunächst halbtags kommen? Kann ein Großelternteil die Eingewöhnung übernehmen, wenn die Eltern wieder arbeiten müssen?
  • Dokumentiere den Verlauf schriftlich. Wenn ein Träger oder ein Elternteil Druck macht, die Eingewöhnung gegen deine fachliche Einschätzung abzukürzen, halte deine Empfehlung und die Gründe dafür schriftlich fest.

Die Bezugserzieherin unterstützen

Eine schwierige Eingewöhnung belastet nicht nur Kind und Eltern - sie belastet auch die Fachkraft. Bezugserzieherinnen, die über Wochen mit einem untröstlichen Kind ringen, brauchen Unterstützung. Wenn du als Leitung das nicht aktiv anbietest, riskierst du, dass die Fachkraft sich alleingelassen fühlt, innerlich abschaltet oder den Prozess unbewusst sabotiert, weil sie nicht mehr kann.

Was konkret hilft

  • Regelmäßige Reflexionsgespräche. Nicht nur „Wie läuft’s?”, sondern strukturierte Gespräche: Was beobachtest du? Was hast du versucht? Was hat funktioniert, was nicht? Wie geht es dir dabei?
  • Kollegiale Beratung. Manchmal sieht eine andere Fachkraft etwas, das die Bezugserzieherin im Alltag übersieht. Ermögliche den Austausch im Team, ohne dass die Bezugserzieherin sich bewertet fühlt.
  • Entlastung im Dienstplan. Wenn eine Fachkraft eine besonders schwierige Eingewöhnung begleitet, braucht sie an anderer Stelle Luft. Das kann eine Springkraft sein, die die Gruppe übernimmt, oder eine verkürzte Dokumentationszeit.
  • Fachliche Rückendeckung. Wenn Eltern sich bei dir beschweren, dass die Eingewöhnung nicht läuft, stell dich vor deine Fachkraft. Das bedeutet nicht, alles abzunicken - aber es bedeutet, dass Kritik nicht an der Einzelperson hängen bleibt, sondern als Team-Aufgabe behandelt wird.
  • Supervision anbieten. Gerade bei langwierigen, emotional belastenden Eingewöhnungen kann eine externe Supervision helfen - sowohl für die Fachkraft als auch für dich als Leitung.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Nicht jede schwierige Eingewöhnung erfordert externe Unterstützung. Aber es gibt Situationen, in denen die Ressourcen der Kita nicht ausreichen.

Ziehe externe Hilfe in Betracht, wenn:

  • Die Eingewöhnung nach sechs bis acht Wochen individueller Begleitung keine erkennbaren Fortschritte zeigt.
  • Das Kind auf allen Ebenen regrediert - sprachlich, motorisch, emotional - und die Rückschritte zunehmen.
  • Du den Verdacht hast, dass in der Familie Belastungsfaktoren vorliegen, die über die normale Eingewöhnungssituation hinausgehen (psychische Erkrankung eines Elternteils, Trennung, häusliche Gewalt).
  • Eltern das Angebot einer Verlängerung oder Pause ablehnen und gleichzeitig nicht bereit oder in der Lage sind, den Prozess aktiv mitzugestalten.

Mögliche Anlaufstellen:

  • Interdisziplinäre Frühförderstelle (ieF): Wenn Entwicklungsauffälligkeiten vorliegen, die über das Eingewöhnungsthema hinausgehen.
  • Erziehungsberatungsstelle: Für Familien, die Unterstützung im Umgang mit Trennungssituationen brauchen.
  • Fachberatung des Trägers: Viele Träger bieten Fachberatung an, die bei schwierigen Eingewöhnungen hinzugezogen werden kann.
  • Externe Supervision: Für dich und dein Team, wenn die Situation emotional belastend wird.

Wichtig: Das Einbeziehen externer Hilfe ist kein Eingeständnis von Scheitern. Es ist ein Zeichen professionellen Handelns. Kommuniziere das auch so gegenüber den Eltern und deinem Team.

Strukturen schaffen, bevor es schwierig wird

Die besten Maßnahmen bei einer stockenden Eingewöhnung sind die, die du vorher festlegst - wenn der Kopf noch frei ist und kein akuter Druck herrscht.

Was in dein Eingewöhnungskonzept gehört:

  • Kriterien für jede Phase. Woran erkennt ihr, dass ein Kind bereit für den nächsten Schritt ist? Nicht „nach drei Tagen”, sondern „wenn das Kind sich von der Bezugserzieherin trösten lässt und exploriert.”
  • Eskalationsstufen. Ab wann wird die Leitung einbezogen? Ab wann sprechen wir über Verlängerung, Pause, Neustart? Ab wann ziehen wir externe Hilfe hinzu?
  • Vertretungsregelung. Was passiert, wenn die Bezugserzieherin krank wird? Wer übernimmt? Wie wird der Übergang gestaltet?
  • Dokumentationsstandard. Was wird wie festgehalten? Ein kurzer, täglicher Eingewöhnungsbogen gibt Struktur und macht Fortschritte sichtbar.
  • Zeitpuffer im Dienstplan. Plane Eingewöhnungen nicht auf Kante. Mindestens eine Woche Puffer pro Kind, damit Verlängerungen keine Kettenreaktion auslösen.
  • Fertige Materialien nutzen. Unsere Eingewöhnungs-Vorlagen geben dir einen strukturierten Rahmen für den gesamten Prozess - von der Elternkommunikation bis zur Dokumentation. Du kannst dir auch kostenlos unsere Eingewöhnungs-Checkliste herunterladen und direkt im Team einsetzen.

Tipp: Unsere Checklisten-Sammlung für Kita-Leitungen enthält unter anderem einen kompletten Eingewöhnungsfahrplan nach dem Berliner und Münchner Modell - inklusive Beobachtungsbogen, Elterngesprächsleitfaden und Kriterien für den Phasenübergang. Damit hast du eine verbindliche Struktur, an der sich dein Team orientieren kann.

Du bist nicht allein

Wenn eine Eingewöhnung nicht klappt, ist das kein Beweis dafür, dass etwas grundlegend falsch läuft. Es ist ein Signal dafür, dass dieses Kind, diese Familie, diese Konstellation mehr braucht - mehr Zeit, mehr Aufmerksamkeit, einen anderen Ansatz.

Deine Aufgabe als Leitung ist nicht, jede Eingewöhnung innerhalb von zwei Wochen zu einem perfekten Abschluss zu bringen. Deine Aufgabe ist, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen dein Team professionell reagieren kann, wenn es schwierig wird. Das bedeutet: klare Konzepte, offene Kommunikation mit den Eltern, Unterstützung für die Bezugserzieherin und den Mut, den Prozess zu verlangsamen, wenn das Kind es braucht.

Denn eine Eingewöhnung, die vier Wochen statt zwei dauert, ist kein Misserfolg. Ein Kind, das am Ende eine tragfähige Bindung aufgebaut hat, ist ein Erfolg - egal wie lange es gedauert hat.

Zur Checklisten-Sammlung für Kita-Leitungen →


Quellenangaben

  • Grossmann, K. & Grossmann, K. E. (2012). Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit. Klett-Cotta. klett-cotta.de
  • Zentner, M. (2008). Temperament im Kindesalter. In: Hasselhorn, M. & Silbereisen, R. K. (Hrsg.): Entwicklungspsychologie des Säuglings- und Kindesalters. Hogrefe. hogrefe.com
  • Laewen, H.-J., Andres, B. & Hédervári, É. (2011). Die ersten Tage - ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege. Cornelsen. cornelsen.de
  • § 22 SGB VIII - Grundsätze der Förderung. dejure.org