Portfolio Krippe: Vorlagen für U3-Kinder
von Johanna Reinhardt Erzieherin & Fachautorin für Pädagogik Ein einjähriges Kind kann keinen Steckbrief ausfüllen, kein Bild malen, kein Interview geben. Und trotzdem passiert gerade in diesem Alter so unglaublich viel: Die ersten Schritte. Das erste Wort. Der Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal allein den Löffel zum Mund führt. Die Szene auf der Krabbeldecke, in der zwei Kinder einander anschauen - und eines dem anderen vorsichtig ein Spielzeug hinhält.
All das verdient Dokumentation. Aber die Methoden, die im Kindergarten funktionieren - Lerngeschichten mit dem Kind besprechen, Zitate aufschreiben, das Kind sein Lieblingsbild auswählen lassen - greifen bei Kindern unter drei Jahren nur bedingt. U3-Portfolioarbeit folgt einer eigenen Logik. Einer Logik, die auf genaues Beobachten setzt statt auf Gespräche, auf Fotos statt auf Textwände, auf Bindung statt auf kognitive Leistung.
Dieser Artikel zeigt dir, wie du die Portfolioarbeit in deiner Krippe so gestaltest, dass sie fachlich fundiert, alltagstauglich und für die Familien wirklich wertvoll ist. Mit konkreten Seitenideen, einem Vergleich der gängigen Beobachtungsinstrumente und ehrlichen Tipps zum Zeitmanagement.
Warum U3-Dokumentation anders funktioniert als bei Ü3-Kindern
Wer Portfolio-Arbeit aus dem Kindergarten kennt und dieselben Methoden in der Krippe anwenden will, stößt schnell an Grenzen. Das liegt nicht an mangelnder Motivation, sondern an der Entwicklungspsychologie der ersten drei Lebensjahre.
Kinder unter drei befinden sich in einer Phase, in der Bindung, Sinneserfahrung und Körperlichkeit die zentralen Bildungsthemen sind - nicht Sprache, Kognition oder soziale Regeln im engeren Sinne. Die Forschung zur frühkindlichen Entwicklung (Dornes, 2006; Becker-Stoll et al., 2015) zeigt: Säuglinge und Kleinkinder lernen über ihren Körper, über Beziehungen und über die sinnliche Auseinandersetzung mit ihrer Umgebung. Sie lernen, wenn sie greifen, schmecken, krabbeln, fallen - und wenn sie sich dabei sicher fühlen.
Das hat konkrete Konsequenzen für die Dokumentation:
| Aspekt | Ü3-Portfolio | U3-Portfolio |
|---|---|---|
| Stimme des Kindes | Zitate, Kommentare, Interviews | Fachkraft beschreibt, was sie beobachtet |
| Beteiligung des Kindes | Kind wählt Fotos aus, kommentiert | Kind wird beobachtet, nicht befragt |
| Zentrale Bildungsbereiche | Sprache, Kognition, Sozialverhalten, Kreativität | Bindung, Motorik, Sinneswahrnehmung, Sprachanbahnung |
| Methoden | Lerngeschichten, Kinderwerke, strukturierte Beobachtung | Fotodokumentation, kurze Beobachtungsnotizen, Meilensteine |
| Textumfang pro Seite | 5-10 Sätze | 3-5 Sätze |
| Häufigkeit | 1-2 Seiten pro Monat | 2-3 Seiten pro Quartal |
| Elternbeteiligung | Elternseiten zum Ausfüllen | Elternseiten + intensive Einbindung bei Alltagsthemen |
| Typische Inhalte | Projektdokumentation, Rollenspiel, Freundschaften | Erste Schritte, Essensituationen, Wickelzeit, Eingewöhnung |
Der entscheidende Unterschied: Bei Ü3-Kindern dokumentierst du, was das Kind sagt und zeigt. Bei U3-Kindern dokumentierst du, was du als Fachkraft wahrnimmst und interpretierst. Das verlangt eine hohe Beobachtungskompetenz - und eine besondere Sensibilität dafür, die Perspektive des Kindes mitzudenken, auch wenn es sie noch nicht selbst formulieren kann.
Beobachtungsinstrumente für den U3-Bereich im Vergleich
Bevor du Portfolio-Seiten gestaltest, brauchst du eine solide Grundlage: systematische Beobachtung. Für den U3-Bereich stehen mehrere erprobte Instrumente zur Verfügung. Welches passt, hängt von deinen Landesvorgaben, deinem pädagogischen Konzept und den zeitlichen Ressourcen deines Teams ab.
Entwicklungstabelle nach Beller und Beller
Die von Kuno und Simone Beller an der Freien Universität Berlin entwickelte Tabelle erfasst die kindliche Entwicklung in acht Bereichen - darunter Körperpflege, Umgebungsbewusstsein, sozial-emotionale Entwicklung, Spieltätigkeit, Sprache, Kognition, Grob- und Feinmotorik. Sie deckt den Altersbereich von 0 bis 9 Jahren ab und ermöglicht ein differenziertes Entwicklungsprofil. Für den U3-Bereich ist sie besonders aussagekräftig, weil die frühen Entwicklungsphasen sehr fein aufgeschlüsselt sind.
Grenzsteine der Entwicklung (Michaelis/Niemann)
Die Grenzsteine beschreiben Entwicklungsschritte, die 90 bis 95 Prozent aller Kinder zu einem bestimmten Alter erreicht haben. Sie sind kein Förderinstrument, sondern ein Screening: Wenn ein Kind einen Grenzstein nicht erreicht, ist das ein Signal, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls Fachleute einzubeziehen. In einigen Bundesländern (z. B. Brandenburg) sind die Grenzsteine als Beobachtungsgrundlage vorgeschrieben.
BaSiK U3 (Zimmer)
BaSiK - entwickelt von Renate Zimmer an der Universität Osnabrück - beobachtet die Sprachentwicklung alltagsintegriert, also nicht in Testsituationen, sondern im normalen Krippenalltag. Die U3-Version erfasst sprachliche Vorläuferfähigkeiten: Lallphasen, erste Wörter, Reaktion auf Sprache, nonverbale Kommunikation. In Nordrhein-Westfalen ist BaSiK das vorgeschriebene Sprachbeobachtungsverfahren.
EBD 3-48 Monate (Petermann/Petermann/Koglin)
Die Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation (EBD) bietet einen strukturierten Rahmen für sechs Entwicklungsbereiche und ist auf bestimmte Alterszeitpunkte normiert. Sie eignet sich gut als Grundlage für Entwicklungsgespräche, weil sie klare Entwicklungsfenster definiert.
Vergleichstabelle
| Instrument | Altersbereich | Bereiche | Zeitaufwand | Schulung nötig? | Stärke |
|---|---|---|---|---|---|
| Beller-Tabelle | 0-9 Jahre | 8 Bereiche | 30-45 Min. | Ja | Feines Entwicklungsprofil für U3 |
| Grenzsteine | 0-6 Jahre | 6 Bereiche | 10-15 Min. | Nein | Schnelles Screening, klar strukturiert |
| BaSiK U3 | 1-3 Jahre | Sprache + Vorläufer | 15-20 Min. | Einführung empfohlen | Alltagsintegriert, NRW-Pflicht |
| EBD 3-48 | 3-48 Monate | 6 Bereiche | 20-30 Min. | Ja | Normiert, gut für Elterngespräche |
Aus unserer Erfahrung: Die meisten Krippen fahren am besten mit einer Kombination aus einem schnellen Screening (Grenzsteine) und einem differenzierten Instrument (Beller oder EBD) - ergänzt durch BaSiK, wenn die Landesvorgaben es verlangen. Wichtig ist, dass das Team die Verfahren wirklich kennt und regelmäßig anwendet. Ein Bogen, der einmal im Jahr hektisch vor dem Elterngespräch ausgefüllt wird, ist fachlich wertlos.
Praktische Portfolio-Seiten für die Krippe: 6 Ideen mit Aufbau
Die Kunst der U3-Portfolioarbeit liegt darin, Alltagssituationen als Bildungsmomente zu erkennen - und sie so festzuhalten, dass sie für das Kind und die Familie einen bleibenden Wert haben. Hier sind sechs Seitentypen, die sich in der Krippenpraxis bewährt haben.
1. „Meine Eingewöhnung” - Der Anfang von allem
Die Eingewöhnung ist für U3-Kinder der prägendste Übergang ihrer bisherigen Biografie. Diese Seite dokumentiert, wie das Kind angekommen ist - und ist für Eltern oft die emotionalste Seite im gesamten Portfolio.
Aufbau:
- Foto vom ersten Tag (Kind mit Bezugsperson)
- Datum des Starts und der abgeschlossenen Eingewöhnung
- Name der Bezugserzieherin
- 3-4 Sätze: „Was dir bei der Eingewöhnung geholfen hat” (z. B. ein bestimmtes Kuscheltier, eine Routine, eine Bezugsperson)
- Optional: Elternbeitrag - „Was wir uns für dich gewünscht haben”
Beispieltext: „Liebe Mia, am 2. September 2026 bist du zum ersten Mal in unsere Krippe gekommen. Du hast dich ganz fest an Mamas Hand gehalten. Nach ein paar Tagen hast du den Bällekorb entdeckt - und von da an wolltest du jeden Morgen zuerst dorthin. Dein Schnuffeltuch war immer dabei.”
Wenn du die Eingewöhnung vertiefen möchtest: In unserem Artikel Eingewöhnung in der Kita: Berliner und Münchener Modell im Vergleich findest du die bindungstheoretischen Grundlagen und einen Praxisvergleich der gängigen Modelle.
2. „Das kann ich schon!” - Motorische Meilensteine
Kinder unter drei erleben motorische Entwicklungssprünge in einer Geschwindigkeit, die später nie wieder erreicht wird. Vom Robben zum Krabbeln, vom Krabbeln zum Stehen, vom Stehen zum Laufen - jeder Schritt verdient Dokumentation.
Aufbau:
- Foto des Meilensteins (z. B. Kind beim ersten freien Stehen)
- Datum
- 2-3 Sätze, die den Moment beschreiben - nicht bewerten
- Optional: Fußabdruck oder Handabdruck als sinnliches Element
Beispieltext: „Am 14. November hast du dich zum ersten Mal allein am Regal hochgezogen und bist drei Sekunden frei gestanden. Du hast ganz erstaunt geschaut - und dann gelacht, als wir geklatscht haben.”
3. „Meine Hände entdecken die Welt” - Sinneserfahrungen
Sinneswahrnehmung ist der zentrale Bildungsbereich in den ersten drei Lebensjahren. Kinder begreifen ihre Welt buchstäblich - durch Greifen, Tasten, Schmecken, Riechen.
Aufbau:
- Foto einer sensorischen Erfahrung (Fingerfarbe, Sand, Wasser, Knete, Raschelpapier)
- Kurze Beschreibung: Was hat das Kind gemacht? Wie hat es reagiert?
- Bildungsbereich benennen (z. B. „Sinneswahrnehmung und taktile Erfahrung”)
- Optional: Handabdruck mit Fingerfarbe direkt auf der Seite
Beispieltext: „Du hast heute zum ersten Mal mit beiden Händen in den nassen Sand gegriffen. Erst hast du ganz vorsichtig nur einen Finger reingesteckt. Dann die ganze Hand. Und dann hast du gelacht und mit beiden Händen gedrückt, bis der Sand zwischen deinen Fingern herausquoll.”
4. „Beim Wickeln” - Pflegesituationen als Bildungsmomente
Die Wickelzeit wird in vielen Krippen als notwendige Routine betrachtet - dabei ist sie einer der wichtigsten Beziehungs- und Bildungsmomente im U3-Alltag. Emmi Pikler hat bereits in den 1960er-Jahren darauf hingewiesen, dass Pflegesituationen die intensivsten Momente der Eins-zu-eins-Zuwendung sind.
Aufbau:
- Kein Foto (Intimsphäre wahren!) - stattdessen ein symbolisches Element (Illustration, Handabdruck)
- Beschreibung der Interaktion: Was passiert zwischen Fachkraft und Kind beim Wickeln?
- Fokus auf Beziehung, Sprache und Körperwahrnehmung
Beispieltext: „Beim Wickeln singst du immer unser Lied mit - ,Erst kommt die rechte Hand, dann kommt die linke Hand.’ Du streckst mir schon deine Arme entgegen, wenn ich sage, dass wir wickeln gehen. Das zeigt, wie sicher du dich bei mir fühlst.”
Wichtig: Fotografiere niemals Wickelsituationen. Diese Seite lebt vom beobachteten Moment, nicht vom Bild. Die Intimsphäre des Kindes hat absoluten Vorrang.
5. „So esse ich” - Mahlzeiten dokumentieren
Essen ist für Kinder unter drei viel mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Sinneserfahrung, Selbstständigkeitsentwicklung, Kommunikation und oft auch der erste Ort, an dem Kinder Entscheidungen treffen: Will ich das probieren? Nehme ich den Löffel oder die Finger?
Aufbau:
- Foto beim Essen (Kind mit Löffel, beim Trinken aus dem Becher, beim Probieren)
- Datum und Beschreibung des Moments
- Bildungsbereich: Feinmotorik, Selbstständigkeit, Sinneswahrnehmung
Beispieltext: „Heute hast du zum ersten Mal den Becher allein gehalten und daraus getrunken. Ein bisschen Wasser ist daneben gelaufen - aber du hast sofort nochmal probiert. Dein stolzes Gesicht war unbezahlbar.”
6. „Mein:e Freund:in und ich” - Erste Beziehungen unter Gleichaltrigen
Ab etwa 12 bis 18 Monaten beginnen Kinder, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen. Das sind noch keine Freundschaften im Sinne von Ü3-Kindern, aber deutliche Präferenzen: Wer sitzt neben wem? Wer wird angelacht? Wem wird ein Spielzeug angeboten?
Aufbau:
- Foto der beiden Kinder zusammen (mit Fotoerlaubnis beider Eltern)
- Kurze Beschreibung der beobachteten Interaktion
- Bildungsbereich: Sozial-emotionale Entwicklung
Beispieltext: „Immer wenn Elias in den Raum kommt, drehst du dich um und krabbelst zu ihm. Heute habt ihr zusammen den Schaumstoffturm umgeworfen - dreimal hintereinander. Jedes Mal habt ihr gelacht.”
Wenn du ein einheitliches Vorlagensystem für alle diese Seitentypen suchst - einschließlich Formulierungshilfen und Beobachtungsimpulsen, die deinem Team den Einstieg erleichtern - wirf einen Blick auf unser Portfolio-Vorlagen-Paket. Es enthält über 80 Vorlagen für U3 und Ü3, druckfertig und bewusst als einheitliches System aufgebaut.
Fotos in der Krippe: Fotorecht, Einwilligung und pädagogische Sensibilität
Fotodokumentation ist das wichtigste Werkzeug für U3-Portfolios - gleichzeitig ist sie datenschutzrechtlich und pädagogisch besonders sensibel. Kinder unter drei können nicht einwilligen, dass sie fotografiert werden. Sie können sich nicht wehren, wenn ihnen eine Aufnahme unangenehm ist. Das verlangt von Fachkräften eine doppelte Aufmerksamkeit.
Rechtlicher Rahmen
Laut der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Kunsturhebergesetz (KUG) benötigst du für das Fotografieren von Kindern in der Kita die schriftliche Einwilligung der Sorgeberechtigten. Diese Einwilligung sollte:
- Zweckgebunden sein - nicht pauschal „für alle Zwecke”, sondern spezifisch für Portfolio, Wanddokumentation, Eltern-App (jeweils getrennt ankreuzbar)
- Freiwillig sein - keine Kopplung an den Betreuungsvertrag
- Widerrufbar sein - Eltern können die Einwilligung jederzeit zurücknehmen
- Beide Sorgeberechtigte umfassen, wenn das Sorgerecht gemeinsam ausgeübt wird
Wenn auf einem Foto mehrere Kinder zu sehen sind, brauchst du die Einwilligung aller betroffenen Eltern. In der Praxis empfiehlt es sich, bereits beim Aufnahmegespräch eine differenzierte Fotoerlaubnis einzuholen - mit klarer Unterscheidung zwischen Portfolio-Fotos (nur für das eigene Kind), Gruppenfotos und öffentlichen Aushängen.
Pädagogische Grundsätze beim Fotografieren von U3-Kindern
Jenseits des Rechts gibt es Situationen, in denen du aus pädagogischen Gründen nicht fotografieren solltest - auch wenn die Einwilligung vorliegt:
- Wickel- und Pflegesituationen - niemals. Die Intimsphäre des Kindes ist unverhandelbar.
- Momente von Trauer, Wut oder Hilflosigkeit - ein weinendes Kind gehört nicht ins Portfolio.
- Situationen, die das Kind in einer späteren Lebensphase als peinlich empfinden könnte - das sogenannte „Recht am eigenen Bild” endet nicht an der Kita-Tür.
Was wir von Leitungen immer wieder hören: Die Fotoerlaubnis ist das eine. Die Haltung des Teams ist das andere. Besprich mit deinen Fachkräften nicht nur die rechtlichen Vorgaben, sondern auch die Frage: „Würden wir wollen, dass dieses Foto von uns als Kind existiert?”
Zeitmanagement: Portfolio-Arbeit bei U3 realistisch planen
Ehrlich gesagt: Die personelle Situation in den meisten Krippen lässt keinen Spielraum für aufwendige Dokumentation. Der Betreuungsschlüssel ist enger als im Kindergarten, die Kinder brauchen mehr körperliche Zuwendung, und Pflegesituationen (Wickeln, Essen, Schlafen begleiten) nehmen einen großen Teil des Tages ein.
Trotzdem ist Portfolioarbeit machbar - wenn du die Erwartungen realistisch hältst und kluge Abkürzungen nutzt.
Realistische Ziele setzen
Für den U3-Bereich hat sich bewährt:
- 2-3 neue Portfolio-Seiten pro Kind und Quartal - das sind 8-12 Seiten pro Kind und Jahr
- Davon mindestens die Hälfte Fotoseiten - die schnellste und für U3 aussagekräftigste Form
- Eine Lerngeschichte pro Halbjahr - kurz (maximal 8 Sätze), beschreibend, wertschätzend
- Eingewöhnungs-Seite als Pflicht - die wird bei Aufnahme des Kindes erstellt und nie vergessen
Die Drei-Minuten-Methode
Nicht jede Beobachtung muss sofort zu einer fertigen Portfolio-Seite werden. Ein System, das in vielen Krippen funktioniert:
- Im Moment: Foto machen, zwei Stichworte auf ein Post-it (Kind, Datum, was passiert ist)
- Am selben Tag: Post-it in die Sammelbox des Kindes legen
- Einmal pro Woche (20 Minuten): Die gesammelten Notizen und Fotos sichten, die aussagekräftigsten auswählen und zu einer Portfolio-Seite verarbeiten
So trennst du die Beobachtung (im Alltag, spontan) von der Dokumentation (geschützte Zeit, strukturiert). Das ist die einzige Methode, die wir kennen, die bei dünner Personaldecke dauerhaft funktioniert.
Vorlagen als Zeitretter
Eine leere Seite ist der größte Feind der Portfolio-Arbeit. Wenn deine Fachkräfte jede Seite von Grund auf gestalten müssen - Layout, Design, Textstruktur, Platzierung der Fotos - brauchen sie 30 bis 45 Minuten pro Seite. Mit einer guten Vorlage sinkt der Aufwand auf 10 bis 15 Minuten: Foto einsetzen, drei Sätze schreiben, fertig.
Das Portfolio-Vorlagen-Paket von Kita Zentrale enthält spezielle Vorlagen für den U3-Bereich: weniger Text, mehr Platz für Fotos, Beobachtungsimpulse, die auf die zentralen Bildungsthemen der ersten drei Jahre zugeschnitten sind. Druckfertig als PDF und bewusst als festes Portfolio-System angelegt, damit Layout, Abstände und Gestaltung im Team einheitlich bleiben - für jeden Kita-Drucker optimiert.
Elternarbeit: Das Portfolio als Brücke zwischen Krippe und Zuhause
Gerade bei U3-Kindern ist die Zusammenarbeit mit den Eltern entscheidend - weil die Kinder selbst noch nicht erzählen können, was sie in der Krippe erleben. Das Portfolio übernimmt diese Übersetzungsfunktion.
Eltern-Seiten, die funktionieren
Seiten, die Eltern zu Hause ausfüllen und zurückbringen, sind bei U3 besonders wertvoll. Gute Themen:
- „So schläft mein Kind” - Rituale, Kuscheltiere, Schlafzeiten. Wichtig für die Krippe und ein schönes Erinnerungsstück.
- „Mein erstes Wort” - Viele erste Wörter passieren zu Hause. Eltern dokumentieren, was die Fachkraft nicht mitbekommt.
- „Was wir am Wochenende gemacht haben” - Gibt der Fachkraft Gesprächsanlässe mit dem Kind und zeigt den Familienkontext.
- „Das ist meine Familie” - Foto und kurze Beschreibung. Kinder lieben es, diese Seite in der Krippe anzuschauen.
Das Portfolio beim Elterngespräch
Für das Entwicklungsgespräch mit U3-Eltern ist das Portfolio ein Geschenk: Statt über abstrakte Entwicklungsstände zu sprechen, blätterst du gemeinsam durch konkrete Momente. „Schauen Sie, im September konnte Ihre Tochter noch nicht allein sitzen. Und hier, im Januar, steht sie am Regal und zieht sich hoch.” Das ist überzeugender als jeder Beobachtungsbogen - und emotional verbindender.
Wenn du die Grundlagen der Portfolio-Arbeit vertiefen möchtest, findest du in unserem Artikel Portfolio in der Kita: Methoden, Vorlagen und Praxis-Tipps den vollständigen Leitfaden für alle Altersgruppen - einschließlich Beobachtungs- und Dokumentationsmethoden für den gesamten Kita-Bereich.
Was in der Praxis schiefgeht - und wie du es vermeidest
Nach vielen Gesprächen mit Kita-Leitungen und Fachkräften kennen wir die typischen Stolperstellen bei der U3-Portfolioarbeit. Hier die häufigsten - mit konkreten Gegenmaßnahmen.
„Wir dokumentieren nur die Großen”
In altersgemischten Gruppen passiert es leicht, dass die U3-Kinder bei der Portfolio-Arbeit durchrutschen. Die Ü3-Kinder liefern mehr „Material” - sie malen, erzählen, bauen. Die Kleinen krabbeln derweil durch den Raum und scheinen weniger zu „zeigen”. Die Lösung: Eine Beobachtungsliste, die sichtbar im Gruppenraum hängt und zeigt, welches Kind zuletzt dokumentiert wurde. Wenn ein U3-Kind seit mehr als sechs Wochen keinen neuen Eintrag hat, ist es dran.
„Die Seiten sehen alle gleich aus”
Foto, drei Sätze, nächstes Foto, drei Sätze. Wenn jede Seite dasselbe Format hat, entsteht ein Fotoalbum - kein Portfolio. Variiere die Seitentypen: Meilenstein-Seiten, Sinneserfahrungs-Seiten, Beziehungs-Seiten, Elternbeiträge. Die Abwechslung macht das Portfolio lebendig.
„Wir beschreiben nur, was das Kind kann”
Ein Portfolio, das ausschließlich Kompetenzen auflistet („Kann allein essen”, „Kann drei Stufen steigen”), wird zur Checkliste. Gute U3-Dokumentation beschreibt den Prozess, nicht nur das Ergebnis: Wie hat das Kind die Stufen erklommen? Hat es gezögert, gelacht, sich umgedreht, Hilfe gesucht? Dieser Unterschied macht die Qualität aus.
„Die Eltern bekommen das Portfolio nie zu sehen”
Ein Portfolio, das im Regal steht und nur einmal im Jahr beim Entwicklungsgespräch herausgeholt wird, verschenkt sein Potenzial. Mache das Portfolio zugänglich: Leg es beim Abholen auf den Tisch. Zeige den Eltern einzelne neue Seiten. Manche Krippen haben eine feste Routine - freitags liegt das Portfolio im Garderobenbereich, und Eltern können es mit ihrem Kind gemeinsam anschauen.
Und dann liegt der Ordner da
Stell dir vor: Ein Kind verlässt deine Krippe in Richtung Kindergarten. In seinem Rucksack steckt ein Ordner. Nicht dick - vielleicht 30 Seiten. Aber jede Seite erzählt eine Geschichte. Der erste Tag, an dem es sich von Mama gelöst hat. Die Matschküche im Oktober. Das Lächeln, als es zum ersten Mal „mehr” gesagt hat. Das Foto mit dem besten Freund auf der Krabbeldecke.
Dieses Portfolio ist kein bürokratisches Dokument. Es ist ein Stück Kindheit, festgehalten von Menschen, die genau hingeschaut haben. Und das ist letztlich der Kern guter U3-Dokumentation: nicht die perfekte Seite, nicht das perfekte Foto, nicht der perfekte Text. Sondern die Bereitschaft, auch in den kleinsten Momenten Bildung zu sehen - und sie sichtbar zu machen.
Das muss nicht aufwendig sein. Es muss regelmäßig sein. Und es braucht ein System, das dein Team im Alltag tatsächlich nutzen kann.
Quellenangaben
Fachliteratur und Forschung:
- Beller, Kuno & Beller, Simone: Entwicklungstabelle (0-9 Jahre). Freie Universität Berlin. - Differenziertes Entwicklungsprofil in 8 Bereichen, besonders detailliert für den U3-Bereich.
- Petermann, Franz; Petermann, Ulrike & Koglin, Ute (2017): Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation (EBD) 3-48 Monate. Cornelsen Verlag, Berlin.
- Michaelis, Richard & Niemann, Gregor (2004): Entwicklungsneurologie und Neuropädiatrie. Thieme, Stuttgart. - Wissenschaftliche Grundlage der „Grenzsteine der Entwicklung”.
- Zimmer, Renate et al.: BaSiK - Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen. Herder Verlag, Freiburg. - Sprachbeobachtung für U3 und Ü3.
- Leu, Hans Rudolf; Flämig, Katja et al. (2007): Bildungs- und Lerngeschichten - Bildungsprozesse in früher Kindheit beobachten, dokumentieren und unterstützen. Verlag das Netz / Deutsches Jugendinstitut (DJI), München.
- Becker-Stoll, Fabienne; Niesel, Renate & Wertfein, Monika (2015): Handbuch Kinderkrippe - So gelingt Qualität in der Tagesbetreuung. Herder Verlag, Freiburg.
- Dornes, Martin (2006): Die Seele des Kindes - Entstehung und Entwicklung. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.
Fachliche Orientierungshilfen:
- nifbe: Beobachtung und Dokumentation in der Krippe - Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung.
- DJI: Bildungs- und Lerngeschichten - Deutsches Jugendinstitut, Projektseite zu Bildungs- und Lerngeschichten.
- WiFF: Beobachtung und Dokumentation - Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF), ein Projekt des BMFSFJ.
- Bildungsserver: Bildungsdokumentation in der Kita - Deutscher Bildungsserver, Übersichtsseite mit weiterführenden Materialien.
Dieser Artikel dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die konkreten Anforderungen an Beobachtung, Dokumentation und Datenschutz können je nach Bundesland und Träger variieren.
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